Vor vier Jahren hatte Google beim Start seiner chinesischen Suchmaschine massive Kritik einstecken müssen, weil es sich - wie andere Internet-Unternehmen -
bereiterklärt hatte, seine Ergebnisse selbst zu filtern. Suchergebnisse zu politisch heiklen Themen wie die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden gefiltert. China gilt mit rund 340 Millionen Nutzern und seiner rapide wachsenden Wirtschaft als wichtiger Zukunftsmarkt, auch im Kerngeschäft von Google, der Internet-Werbung. Google betreibt die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, konnte sich aber in China nicht gegen die länger etablierte chinesische Suchmaschine Baidu durchsetzen, deren Marktanteil nach eigenen Angaben im dritten Quartal des vergangenen Jahres auf 77 Prozent gestiegen ist. Der Betrieb von Baidu war am Dienstag ebenfalls durch einen Hacker-Angriff beeinträchtigt worden.
Experten vermuten Verlust
Chinesische Internetexperten haben die Rückzugsdrohung von Google aus China als nachteilig für den Internetkonzern bewertet. "Sich aus China zu verabschieden, wäre die dümmste Entscheidung von Google", sagte der frühere Chef von Microsoft China, Tang Jun, nach Angaben chinesischer Medien. "China aufzugeben, bedeutet, die halbe Welt aufzugeben." Google werde die Ankündigung noch bedauern, fürchtet der ehemalige Microsoft-Chef.
"Wenn sich Google zurückzieht, wäre das ein großer Verlust für das Unternehmen und die chinesischen Internetnutzer", sagte der Internetexperte Xiang Ligang. Er fügte aber seine Ansicht hinzu, dass die chinesischen Nutzer das wohl innerhalb von nur drei Monaten vergessen haben dürften. Der Experte Lu Benfu von der Akademie der Wissenschaften sagte nach Angaben einer Technologie-Website: "Wenn es wahr werden würde, kann die Industrie als Ganzes nur verlieren."