Der
AOL-Werbespot ist unvergessen: "Bin ich schon drin?", fragte Boris Becker 1999. Zehn Jahre später
ist AOL draußen - aus dem deutschen Markt. Denn die Konzernzentrale in New York hat am Montag bekanntgegeben, alle deutschen Büros zu schließen und die verbliebenen 140 Mitarbeiter zu entlassen. Ihre Jobs fallen Kürzungen zum Opfer, mit denen Konzernchef Tim Armstrong die Kosten senken und das lahmende US-Geschäft anschieben will.
Fusion mit Time Warner ein Fiasko
Einmal Börsen-Star und zurück: AOL war in den 1990er Jahren der Liebling der euphorischen Anleger. Das Unternehmen wurde auf dem Höhepunkt des Booms so hoch gehandelt, dass es sogar den deutlich größeren Mediengiganten Time Warner kaufen konnte. Inhalte plus Zugang - das rechtfertigte im Jahr
2001 eine rund 100 Milliarden Dollar schwere Fusion.
Der Zusammenschluss scheiterte grandios: Die Börsen-Blase platzte genauso wie der Traum, zwei so grundverschiedene Unternehmen wie Time Warner und AOL zu vereinen. Das AOL-Geschäftsmodell erwies sich zudem als wackelig: Der Wettbewerb um die Kunden war so heftig, dass die Margen sanken. Auch mit seinem teuren Nachrichtenportal konnte der Gigant die flüchtigen Nutzer nicht an sich binden - Infos gab es auch überall kostenlos im Netz.
Der Konzern tilgte daraufhin verschämt das "AOL" aus dem Namen und trennte später die Sparte ganz heraus. Seit Dezember 2009 ist der einstige Internet-Pionier wieder
eigenständig und an der Börse.