Smartphones sind die neue Wunderwaffe der schwächelnden Mobilfunkindustrie: Sie versprechen steigende Umsätze in einem gesättigten Markt und sind gleichzeitig einer
der wichtigsten Wachstumsmotoren für
mobiles Internet. So verwundert es wenig, dass alle großen Handyhersteller und sogar
Google mit dem Nexus One in diesem Segment punkten wollen. Nokia kündigte bereits im Dezember eine
Produktoffensive im Smartphone-Bereich an, die bis in die unteren Preisregionen vorstoßen soll. Auch Konkurrent HTC sieht hier die Zukunft. Der taiwanesische Hersteller will mit günstigen Geräten und einem neuen Betriebssystem bis in die Einsteigerklasse vordringen, so HTC-Chef Peter Chou im Interview mit dem "Handelsblatt".
Touchscreen-Modelle mit "Brew"
Bisher fertigt HTC hauptsächlich höherpreisige Smartphones für Telekomunternehmen und setzt dabei auf Android sowie Windows Mobile. Ab dem Frühjahr soll eine neue Produktlinie zusätzlich für starke Impulse am Markt sorgen. Diese basiert auf der Qualcomm-Plattform
Brew und dem Bedienungskonzept
HTC Sense. Das erklärte Ziel der Asiaten: Touchscreen-Modelle, die sich auf das Wesentliche beschränken und wenig kosten. "Die heutigen Smartphones sind großartig, aber sie wenden sich an eine Gruppe von technologisch aufgeschlossenen Leuten, die sich für Smartphones begeistern können. Aber da ist eine riesige Gruppe von Menschen, die eine tolle Erfahrung mit Berührungsbildschirmen haben möchten, ohne die gesamte Palette der Möglichkeiten und Herausforderungen eines Smartphones mitkaufen zu müssen", sagte Chou dem "Handelsblatt". Für diese Gruppe wolle man Telefone mit
Brew bauen.
Die etablierten Betriebssysteme seien noch zu sehr auf technisch versierte Nutzer ausgerichtet. "Unser Ziel wird jetzt sein, denen ein Smartphoneerlebnis zu geben, die überhaupt keine Lust haben, sich mit Technik zu beschäftigen, aber doch gerne das Erlebnis eines Smartphones haben möchten. Touchscreens, einfache Integration von sozialen Netzen, und so weiter", so der HTC-Chef. Auch die Hardwareanforderungen und Herstellungskosten seien mit dem Qualcomm-System geringer. Die neuen Geräte würden sich daher auf deutlich niedrigeren Preisniveaus als bisher bewegen, kündigte Chou an.
Die Masse ist das Ziel - einfach und günstig der erhoffte Weg
Der erste Vertreter einer neuen Produktlinie: das HTC Smart. Bild: HTC
Der HTC-Vorstoß zielt vorwiegend auf Gruppen, die zurzeit noch einfache Telefone herkömmlicher Bauart besitzen und weniger auf umfangreiche Ausstattung, sondern vielmehr intuitive Bedienung Wert legen – etwa ältere oder technikscheue Nutzer. "Diese Gruppe von Nutzern hat heute normale Mobiltelefone, wir nennen sie 'Featurephones', die weniger können als Smartphones. Aber dafür sind sie noch schwieriger zu bedienen, mit unübersichtlichen Menüs. Das Nutzererlebnis mit diesen Geräten ist einfach grauenhaft", so Chou. HTC konzentriere sich daher darauf, die Idee einer intelligenten, einfach zu nutzenden Benutzeroberfläche zu so vielen Konsumenten wie möglich zu bringen. "Wir wollen jetzt den Menschen einfach zeigen, 'Hey, schaut mal: Smartphones, das ist doch ganz simpel, davor müsst ihr keine Angst haben'", sagte Chou.
Erste Modelle sollen im Februar auf der Mobilfunkmesse in Barcelona zu sehen sein - ein erster Vertreter, das
HTC Smart, ist bereits angekündigt. So bleibt nur noch zu hoffen, dass der Name des installierten Betriebssystems nicht allzu maßgebend für die neuen Billig-Smartphones sein wird.
Brew heißt übersetzt "Gebräu" - im Deutschen oft der Hinweis auf einen bitteren Nachgeschmack.