Europaweit wächst der gesellschaftliche und politische Widerstand gegen illegales Filesharing – vor allem in der Medienbranche werden immer wieder Stimmen laut, die den unbegrenzten Datentausch verurteilen. Nun drängen europäische Gewerkschafts- und Industrieverbände aus TV, Film und Radio auch die Europäische Union (EU) zu einem härteren Vorgehen. Sie fordern schärfere Gesetze und Kontrollen sowie mehr Druck auf die
Internetanbieter, so die britische Zeitung "The Guardian".
Mehr Gehör in Brüssel
Der als
European Audiovisual Social Dialogue Committee bezeichnete Zusammenschluss verschiedener europäischer Medienvertreter verlangt eine "Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen" innerhalb der EU, um Produzenten, Sendern und Kreativen die Bereitstellung von legalen Online-Diensten deutlich zu erleichtern. Beteiligt sind dabei unter anderem der Europäische Verband für Privates Fernsehen (
Association of Commercial Television in Europe), Die Internationale Vereinigung der Filmproduzenten (
International Federation of Film Producers Associations) sowie der Europäische Journalistenverband (
European Federation of Journalists).
Das Gremium sieht sich durch die europäische Politik bisher nicht ausreichend berücksichtigt und drängt auf mehr Gehör in Brüssel. "Der ungesetzliche Austausch geschützter Werke und Leistungen ist – ebenso wie die Notwendigkeit, dass Rechteinhaber ausreichende Einnahmen durch die Verwertung ihrer Arbeit erhalten - eine wichtige Problematik, die stärker durch die Europäische Kommission und andere EU-Institutionen berücksichtigt werden muss", so eine zentrale Forderung laut "The Guardian".
Studie zu ökonomischen Auswirkungen gefordert
Der Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen müsse zudem dafür sorgen, dass alle Mitgliedsstaaten die notwendige Infrastruktur für eine effektive Durchsetzung von Urheberrechtsgesetzen erhielten und
Internet Provider illegales Filesharing in ihren Netzwerken verhinderten. Die Kommission solle außerdem eine Studie zu den ökonomischen Auswirkungen von Online-Piraterie in Auftrag geben, um mögliche Arbeitsplatz- und Einkommensverluste adäquat zu bewerten.
Unterstützt werden die Forderungen von der britischen
Creative Coalition Campaign (CCC), die sich seit August 2009 gegen illegales Filesharing einsetzt und eine härtere Bestrafung von Urheberrechtsverletzungen befürwortet. "Obwohl Großbritannien mit seinen
Vorschlägen im Digital Economy Bill eine Führungsrolle übernommen hat, liegen andere EU-Länder leider zurück und setzen damit den europäischen Kreativsektor aufs Spiel", sagte die CCC-Vorsitzende Christine Payne. Aber auch der Widerstand gegen eine Verschärfung von Gesetzen auf europäischer Ebene dürfte nicht lange auf sich warten lassen. So bezeichneten etwa britische Internetunternehmen entsprechende Überwachungs- und Sperrmaßnahmen bereits in der Vergangenheit als weitgehend nutzlos.