Eine neue Studie im Auftrag der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) hat die aktuell verfügbaren Zugangstechnologien für schnelles
Internet verglichen und bewertet. Die Wissenschaftler vom Communications Laboratory der Universität Kassel untersuchten dabei Technologie- sowie Kostenparameter und erarbeiteten hieraus Empfehlungen, die sich vor allem an kommunale Entscheidungsträger richten. Ergebnis:
DSL ist zwar derzeit die beste Wahl.
Glasfaser gehört allerdings die Zukunft.
Mindestens 25 Mbit/s gefordert
Um zukünftig eine ausreichende Qualität bei
Internetzugängen gewährleisten zu können, müsse die durchschnittliche Geschwindigkeit von
Breitband-Verbindungen auf etwa 25 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) (
DSL 25000) im Downstream und fünf Mbit/s im Upstream anwachsen, so die Forscher. Erreicht werden könne dies bevorzugt mit kabelgebundenen Zugangslösungen. Diese hätten den Vorteil, dass sich im Gegensatz zu drahtlosen Technologien nicht mehrere Nutzer die verfügbare Bandbreite teilen müssten. Zudem spreche auch die wesentlich höhere Latenzzeit gegen
mobiles Internet und Co. – beispielsweise sind Onlinespieler hier auf niedrige Werte angewiesen, da Spielzüge sonst nur verzögert umgesetzt werden. Darüber hinaus liegen DSL, Kabel und Glasfaser auch im Preis-Leistungsverhältnis weit vorn. Ungefähr 25 Euro werden laut Studie im Durchschnitt dafür fällig. Für
Wimax und
UMTS beziehungsweise
HSDPA muss der Kunde monatlich hingegen bereits ungefähr 40 Euro ausgeben.
WLAN-Hotspots für unterversorgte Gegenden auf dem Land
Internet über Satellit schlägt hingegen sogar mit bis zu 80 Euro im Monat zu Buche, wobei noch mehrere Hundert Euro für Hardware und Anschluss hinzukommen. Aus Sicht der Wissenschaftler ist die Technologie daher keine Dauerlösung. "Satellitengestützte Übertragungssysteme stellen vielmehr eine Ergänzung dar, um Gegenden, die aufgrund ihrer Lage durch keine andere Technologie wirtschaftlich an das Internet angeschlossen werden können, für eine bestimmte Zeit mit einem Internetzugang begrenzter Güte zu versorgen", so ihr Zwischenfazit. Die Priorität müsse aber auch in ländlichen Regionen auf einem weiteren Ausbau günstiger Webanbindungen liegen. UMTS und der Nachfolgestandard
LTE eigneten sich hier laut Studie allerdings nur bedingt, da ihre Verfügbarkeit mittelfristig nicht absehbar sei. Als Alternative empfehlen die Experten vielmehr
WLAN-Hotspots mit symmetrischen Datenraten und einer geringen Latenz – vorbehaltlich der Wirtschaftlichkeit solcher Netze.
Die Wissenschaftler empfehlen den Ausbau schneller Glasfaserverbindungen. Bild: Netcologne
DSL derzeit insgesamt die beste Wahl
Um Breitbandanforderungen großflächig erfüllen zu können, ist laut Studie derzeit DSL insgesamt die beste Wahl. Langfristig sei jedoch Glasfaser mit Direktanbindung beim Kunden (Fibre to the Home) die einzige sinnvolle Möglichkeit,
bis zum Jahr 2015 prognostizierte Datenraten von mehr als 100 Mbit/s im Downstream verfügbar zu machen. "Konventionelle Lösungen auf Kupferleitungs- oder Funkbasis stellen lediglich einen Übergang dar", schreiben die Forscher. Investitionen in die Glasfasertechnik sollten daher streng wirtschaftlich geprüft werden – sowohl von
Internetanbietern als auch Kunden.
Keine weitere Erwähnung findet hingegen
Internet über Kabel. Grund ist offenbar ein inhaltlicher Fehler der Erhebung. So werden Verbindungen über Kabel mit einer Bandbreite von maximal 32 Mbit/s angegeben, obwohl bereits bis zu 120 Mbit/s möglich sind. Die Studie wurde im Rahmen des Projektes "nordig – Nordhessen digital" erstellt und kann unter
lpr-hessen.de abgerufen werden.