Früher hieß es: Bist du einsam – schaff dir einen Hund an. Beim Gassigehen triffst du bestimmt Mops Nora oder Spaniel Sam nebst dazugehörigem Zweibeiner. Aber das war gestern. Heute müssen sich einsame Seelen nicht mehr bei Wind und Wetter in den Park quälen oder sich in Partnerschaftsportalen wie
neu.de verschämt anschweigen, weil es eigentlich nichts zu erzählen gibt. Denn heute gibt es Dogbook: Pfötchengeben und Rudelbilden online im warmen Wohnzimmer. Gesprächsthema inklusive.
Hund Fico aus Lima liebt Kuscheltiere
Dogbook gehört zu dem
sozialen Netzwerk Facebook. Medienberichten zufolge tummeln sich bereits rund 750.000 Vierbeiner in dem Portal, Tendenz steigend. Die Profile lesen sich wie die Besetzungsliste einer Seifenoper: Da ist zum Beispiel Yorkshire Terrier Fico aus Lima/Peru, der Kuscheltiere liebt und sich verloben möchte. Oder Sadie aus Ontario, deren Stimmumfang an einen Menschen herankommt. Was immer das heißen soll, denn Opernhallen wird sie wohl niemals füllen. Terrier Jake hat leider gerade Bauchweh, während Gringo darüber nachsinnt, wie er die Hundedame nebenan für sich gewinnen und ihr mehr als das lässige "Hi" im Vorbeigehen aufs Auge drücken kann.
Die meisten dieser illustren Tiere leben in den USA – nicht ganz das Wahre für ein gemeinsames Nachmittags-Ründchen in Wanne-Eickel. Aber auch die Suche im Hundert-Kilometer-Umkreis gab im Redaktionstest bereits über 200 Einträge aus.
Kleine Geschenke erhalten die Hundefreundschaft:
Präsente-Shop in Dogbook. Bild: onnlinekosten.de
Besser noch: Das Portal listet alle Parks im Umkreis, in denen der geschätzte Vierbeiner sicher gern einmal das Beinchen heben würde. Am besten gemeinsam mit einem anderen "Dogbooker". Den den zu finden ist nicht schwer: Hundeprofil anlegen, Wohnort auf der Karte markieren, und los geht die Suche.
Smartphone-Benutzer gehen einfach unterwegs ins
Internet und schauen, wer sich gerade im gleichen Grünstreifen die sechs Beine vertritt. Vielleicht lässt sich ja ein zufälliges Parkbank-Treffen arrangieren. Zum Beispiel so: "Hallo, du musst die Tiffy mit Beagle Snoopy aus Dogbook sein." Kommt bestimmt besser als der Klassiker: "Haben wir uns nicht schon irgendwo gesehen?"
Mit "Arf-Alerts" Streuner melden
Dumm nur, dass Verbraucherzentralen immer wieder davor warnen, den Wohnort im Netz bekanntzugeben. Wer also lieber inkognito bleibt, der kann die fremden Vierbeiner virtuell streicheln oder ihnen Geschenke kaufen. Oder sich wenigstens in Gruppen wie "die anonymen Sockenfresser" treffen und diskutieren, was bekömmlicher für Hundemägen ist: Ringelsöckchen oder die knielange Zopfmustervariante. Allerdings entgeht ihm dann auch der Vorteil des Arf-Alerts (deutsch etwa: "Bell-Alarm"), mit dem Dogbooker einen verirrten Streuner melden und wieder dem heimischen Futternapf zuführen können.
Man könnte fast meinen, ohne Hund ist der Webnutzer community-technisch aufgeschmissen. Aber das stimmt nicht ganz: Ein Fisch, ein Pferd oder ein Vogel tut es auch. Denn selbstverständlich gibt es auch ein "Vogelbuch", ein "Katzenbuch" und ein "Fischbuch" - das übrigens nichts mit Kochen zu tun hat.
Aber Finger weg von Kaninchen: Die Langohren haben es noch nicht zu einem App-Stern im Walk of Fame des Facebook gebracht. Und das bringt denn auch manchen "Rabbitianer" auf die Palme: "Würde bitte einer mal ein Rabbitbook gründen??" heißt es da erbost im Forum. "Kaninchen sind keine Nager, sondern gehören zur Hasenfamilie!"
Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass auch gebildete Menschen im
Internet unterwegs sind - auch und gerade da, wo man sie am wenigsten vermutet.