Nach der
Konsolidierung auf dem DSL-Markt ordnet sich auch der Kabelnetz-Markt neu. Ende Dezember war bekannt geworden, dass der Kabelnetzbetreiber
Tele Columbus verkauft wird. Ein Gläubigerkonsortium erhielt für 2,5 Millionen Euro den Zuschlag und soll das verschuldete Unternehmen restrukturieren. Danach könnte
Tele Columbus weiterverkauft werden. Kurz zuvor, im November, hatte bereits der international agierende Medienkonzern
Liberty Global Unitymedia für 3,5 Milliarden Euro gekauft. Ende Januar müssen aber zunächst noch die Kartellbehörden diesem Kauf zustimmen. Liberty zeigt laut einem Bericht des "Handelsblatt" auch Interesse an Tele Columbus.
Entschuldung von Tele Columbus hat Priorität
Der mit 2,3 Millionen versorgten Haushalten viertgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber wird zunächst von einer unabhängigen Holding nach Luxemburger Recht übernommen. Dietmar Schickel, der bereits seit 23 Jahren als Geschäftsführer bei Tele Columbus aktiv ist, werde weiter dem Führungsgremium des Kabelnetzunternehmens angehören. Als Finanzvorstand soll Andrew MacCallum agieren, Schwerpunkt seiner Tätigkeit werde vor allem die Sanierung des Konzerns sein. Ein Weiterverkauf könne vermutlich frühestens in eineinhalb Jahren beginnen. "Das ist eine Partnerschaft auf Zeit. Tele Columbus ist ein Finanzinvestment", zitiert das "Handelsblatt" einen Sprecher der Gläubigerbanken.
Unitymedia und Kabel Deutschland zeigen Interesse
Branchenexperten sehen
John Malone, Chef von Liberty Global, als wahrscheinlichsten Käufer für Tele Columbus an. "Im Gegensatz zu anderen Interessenten hätte er kein Kartellproblem", so Hans-Peter Labonte, Vize-Vorsitzender des Fachverbands Rundfunkempfang- und Kabelanlagen. Eine Unitymedia-Sprecherin zeigte sich gegenüber unserer Redaktion dagegen zurückhaltend. Bereits jetzt verfüge der Kabelnetzbetreiber mit Sitz in Köln über einen Endkundenzugang von rund 95 Prozent. Die verbleibenden fünf Prozent würden sich auf verschiedene kleinere Anbieter verteilen. Im Verbreitungsgebiet von Unitymedia in Nordrhein-Westfalen und Hessen gebe es einige kleinere Gebiete, in denen Tele Columbus aktiv sei. Unitymedia wäre an einem guten Angebot für diese Regionen interessiert. An Spekulationen über einen kompletten Kauf des vor allem auch in Ostdeutschland aktiven Kabelnetzbetreibers wollte sich die Sprecherin nicht beteiligen. Am 25. Januar werden ohnehin erst einmal die europäischen Kartellbehörden über den Kauf von Unitymedia durch Liberty Global entscheiden.
Als weiterer Kaufinteressent gilt aber auch
Kabel Deutschland (KDG), der größte deutsche Kabelnetzbetreiber. "Wir sind an attraktiven Netzwerk-Ebene 4 Assets interessiert, wenn sie zu uns passen", so ein KDG-Sprecher gegenüber onlinekosten.de. Damit könnten noch vorhandene Netzlücken geschlossen werden. Diese Unternehmenspolitik verfolge Kabel Deutschland aber schon seit längerem. Ähnlich hatte sich das Münchener Unternehmen bereits im vergangenen Sommer geäußert, als Gerüchte über den
Verkauf der Tele Columbus Muttergesellschaft Orion Cable aufkamen.