Die im Frühjahr des vergangenen Jahres veröffentlichte
Breitbandstrategie der Bundesregierung hat ehrgeizige Ziele formuliert. Große Teile der Bevölkerung will die Regierung bis dahin mit schnellen
Internetzugängen versorgen. Drei Viertel der Haushalte sollen zu diesem Zeitpunkt über Bandbreiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen. Doch zum gewünschten Ziel führen verschiedene Wege. Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, spricht sich laut Nachrichtenagentur DAPD für eine stärkere Berücksichtigung der
Kabelnetzbetreiber beim Breitbandausbau aus.
Kurth: Offen für neue Anbieter
Derzeit seien zwar bereits rund 50 Städte mit
VDSL ausgebaut, die schnelle
LTE-Technologie für die Nutzung des
mobilen Internets aber noch Zukunftsmusik. Um die gestellte Mammutaufgabe zu bewältigen, sei die Bundesnetzagentur offen für neue Anbieter. "Wir dürfen uns nicht nur auf VDSL, LTE und Glasfaser bis ins Haus konzentrieren", sagt Kurth. Der flächendeckende Breitbandausbau auf Basis von VDSL sei jedoch nur allmählich machbar. Als realistischer schätzt Kurth daher die Nutzung der TV-Kabelnetze ein, die zu diesem Zweck teilweise noch aufgerüstet werden müssten. Bereits heute würden die großen Kabelnetzbetreiber
Kabel Deutschland,
Unitymedia und
Kabel BW 60 Prozent der Haushalte erreichen.
Infrastrukturausbau kann erheblich beschleunigt werden
Die Kabelnetzprovider zählen derzeit bereits etwa 2,4 Millionen Kunden, die per TV-Kabel im
Internet surfen. Erreichen ließen sich über das Kabelnetz aber 24 Millionen Haushalte. "Wenn die Investoren mit der entsprechenden Kraftanstrengung auf 100 Mbit/s aufrüsten, hätten sie sogar zumindest zeitweise einen Vorsprung", so Kurth. Der Chef der Bonner Regulierungsbehörde will den "intermodalen Wettbewerb" in Deutschland beleben. Bei diesem Wettbewerb sollen
DSL,
Mobilfunk und TV-Kabel miteinander konkurrieren. In anderen Ländern sei dies viel ausgeprägter und würde entsprechenden Druck auf die einzelnen Marktteilnehmer ausüben. "Letztlich wird der Kunde nicht nur über den Preis entscheiden, sondern auch über die Qualität", so Kurth weiter.
"Wenn wir es von der Regulierung her richtig machen, können wir den Infrastrukturausbau erheblich beschleunigen."