Die Axel Springer AG hat mit Kritik auf die ARD-Ankündigung, kostenfreie Apps auf mobilen Endgeräten einzuführen, reagiert. "Wir haben die Ankündigung der ARD, ein kostenloses Applet der "Tagesschau" in
Apples AppStore anzubieten, mit Befremden zur Kenntnis genommen", sagte die Unternehmenssprecherin des Verlagshauses, Edda Fels, am Dienstag in Berlin. Auch die Verbände BDZV, VDZ und VPRT kritisierten die Pläne der ARD. Der NDR wies die Vorwürfe gegenüber den öffentlich-rechtlichen Sendern als unbegründet zurück.
Verwunderung über Gebühren
"Wir gingen davon aus, dass die vorhandenen Gebühren schon nicht mehr zur Finanzierung des bestehenden Angebots ausreichen. Deshalb wundern wir uns, dass im Vorfeld der geplanten Gebührenumstellung das Angebot sogar erweitert werden soll", so die Sprecherin weiter. ARD-aktuell-Chefredakteur
Kai Gniffke hatte in einem dpa-Gespräch am Montag gesagt, dass die Anwendung im Miniformat auf Smartphones kostenlos zur Verfügung gestellt werden solle, da sie bereits aus der Rundfunkgebühr finanziert sei. "Mehrere Hunderttausend iPhone-Nutzer dürfen von uns erwarten, dass wir sie auch unterwegs mit seriösen Nachrichten versorgen", so Gniffke. Noch im ersten Quartal 2010 soll Tagesschau.de daher für mobile User abrufbar sein.
"Kostenlos ist Marktverzerrung"
Der Springer-Verlag bietet ebenfalls
eigene Apps für die Titel "Bild" und "Welt kompakt" an - allerdings nicht kostenlos. Dementsprechend verärgert gibt sich das Medienhaus über den ARD-Vorstoß. "Es gehört ganz sicher nicht zum Grundversorgungsauftrag öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten, kostenlose Applets auf dem
iPhone zur Verfügung zu stellen", sagte Fels. "Es handelt sich hierbei um eine nicht tolerierbare Marktverzerrung. Die privaten Verlage, darunter auch unser Haus, versuchen derzeit, Qualitätsjournalismus im Netz durch den
Aufbau von Bezahlmodellen zu finanzieren mit dem Ziel, die Geschäftsgrundlage für Qualitätsjournalismus in der digitalen Zukunft zu sichern und auch dauerhaft Meinungsvielfalt zu gewährleisten." Die Folge werde sein, dass private Angebote langfristig kaum noch konkurrieren könnten und so Vielfalt reduziert werde.
Auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) kritisierte die Ankündigung der ARD. Damit drohe der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender, ein neues Geschäftsfeld der privatwirtschaftlich organisierten Presse bereits im Ansatz zu zerstören. Unverständnis äußerten die Zeitungsverleger auch über den Alleingang des Senders. So habe es offenbar keine Einbindung der zuständigen Gremien gegeben. Vor diesem Hintergrund erwarte der BDZV einen Stopp aller weiteren Pläne für das neue Telemedienangebot.
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