Im gleichen Atemzug erteilte Döpfner allen Forderungen nach schrankenloser Information im Netz eine klare Absage. "Es ist doch absurd, mit den Evangelisten der Open-Access-Bewegung zu glauben, dass die Demokratie im Web nur gewährleistet sei, wenn alles kostenlos ist", so der Springer-Vorstandschef.
Frei ist nicht kostenlos
In einem Supermarkt gäbe es auch freien Eintritt. "Aber niemand behauptet, dass ein Markt nur demokratisch sei, wenn man Milch und Zigaretten kostenlos mitnehmen kann", sagte Döpfner. Sein Verlagshaus habe das Thema aber in Europa auf die Agenda gesetzt und gehe jetzt mit konkreten Maßnahmen voran. "Allgemein verfügbare Nachrichten werden gratis, besonders exklusive oder spezialisierte Informationen kostenpflichtig sein. Und Werbung wird eine immer größere Rolle im Netz spielen", so Döpfners Einschätzung der künftigen Netzwelt. Ein weiteres Problem sieht der Springer-Chef allerdings in der Marktmacht von Google, "gegen die sich Rockefeller wie ein harmloser Kioskbesitzer ausnehmen würde." Die Vermarktung der Inhalte durch die Suchmaschine müsse auch zum Vorteil derjenigen geschehen, die diese Inhalte produzierten – durch eine Beteiligung an den Einnahmen und einen gesetzlichen Leistungsschutz, sagte Döpfner. "Es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten."
Springer unter Rechtfertigungszwang
Chefredakteur des "Hamburger Abendblatt" Matthias Iken. Bild: Axel Springer AG
Die Äußerungen des Springer-Chefs erinnern in Inhalt und Sprache an einen Artikel zum gleichen Thema von Matthias Iken, Chefredakteur des "Hamburger Abendblatt". Dieser hatte am Montag Abend "in eigener Sache" die Einführung eines "Paid Content"-Angebotes damit begründet, dass
Schluss sein müsse mit der "Freibiermentalität" im Web. Das Onlineportal ist seit Dienstag offiziell nur noch gegen die Zahlung von 7,95 Euro im Monat zugänglich. Lediglich Abonnenten der Zeitung erhalten weiterhin kostenlosen Zugriff. Beide Blätter gehören zum Springer-Verlag.
Ikens Worte sorgten für erhebliche Kritik unter Lesern und Kollegen. Unter anderem hatte er den Internetnutzern indirekt vorgeworfen, den Wert von "Qualitätsjournalismus" nicht adäquat zu schätzen. In Zeiten, wo aufgeschäumter Kaffee im Pappbecher drei Euro koste oder Telefonvoting für sinnbefreite Casting-Shows mindestens 50 Cent, sei es nicht zu viel verlangt, für das "Produkt Qualitätsjournalismus" knapp 30 Cent am Tag zu bezahlen, so Iken. Auch die
Website der "Berliner Morgenpost" ist seit Dienstag nur noch gegen Zahlung von 4,95 Euro im Monat vollständig zu erreichen. Bisher frei verfügbare regionale Inhalte auf "Welt Online" zu Berlin und Hamburg wurden daher zugleich abgeschaltet. Diese sollen nur noch exklusiv auf den Online-Angeboten der beiden Zeitungen zu finden sein.