Springer-Chef Mathias Döpfner. Bild: Springer AG
Der Streit um Bezahlinhalte im
Internet verhärtet sich weiter. Auch zwischen Verlagen und Journalisten brodelt es, denn die Branche ringt um einen Königsweg. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, glaubt allerdings, diesen bereits gefunden zu haben. In einem Interview mit dem "manager magazin" übte der Springer-Chef mit deutlichen Worten scharfe Kritik an Verlegern, Journalisten und Google. Seine Bilanz: Gratisinhalte im Internet seien "abstruse Fantasien von spätideologisch verirrten Web-Kommunisten".
"An der falschen Stelle gespart"
In der kriselnden Verlagslandschaft werde "vielerorts an der falschen Stelle gespart: am Inhalt", so Döpfner. Wer der schlechten Wirtschaftslage mit weniger oder schlechterem Journalismus zu begegnen versuche, sei allerdings "auf dem Holzweg". Döpfner warnte vor den "fatalen Folgen" einer solchen Strategie. "Wer an Eigenrecherche und Autorenintelligenz spart, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt", sagte der Springer-Chef. Dies erinnere an Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Dass dennoch auch massiv an journalistischer Kompetenz gespart werde, sei auf mangelndes Verständnis von Verlegern für das eigene Geschäft zurückzuführen. "Manche haben zu wenig Sinn für Journalisten und für die Skurrilitäten dieses Metiers, das sie nicht lieben, sondern das ihnen insgeheim fremd bleibt", kritisierte Döpfner.
Die Journalisten tragen eine Mitschuld
Aber auch die Journalisten selbst tragen nach Ansicht des Verlagschefs eine Mitschuld an der aktuellen Situation. "Ich glaube, dass der Journalismus nicht mehr so gründlich, so gut und so selbstbewusst ist, wie er sein müsste, um die Menschen zu begeistern", sagte Döpfner. Insbesondere Zeitungsjournalisten tendierten bei ihrer Berichterstattung über die eigene Branche "zu einer masochistischen Lust am Untergang". Die fast kostenfreie Verbreitung von journalistischen Angeboten über das Internet sei von Springer bereits in der Vergangenheit abgelehnt worden. "Diesen Unsinn haben leider mehr als ein Jahrzehnt alle Verlage der Welt betrieben. Wir waren nicht groß genug, um diesen Wahnsinn allein zu stoppen", sagte Döpfner.
Weitere Auszüge des Gesprächs erschienen vorab auf dem zum Axel Springer Verlag gehörenden Nachrichtenportal "Welt Online". In seiner Journalistenkritik geht Döpfner darin noch weiter. "Wir müssen uns auf die ursprünglichen Stärken des Journalismus besinnen. Investigative Nachrichten, klare Standpunkte, packende Sprache. Dann können wir gute Zeitungen machen, mit deren Marken man auch die digitalen Vertriebskanäle erobern kann." Viele Journalisten verließen sich bei ihren Recherchen aber vor allem auf Google und Wikipedia, kritisierte der Verlagschef.
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