In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" hat
Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo eine schwerfällige Reaktion seines Unternehmen in Bezug auf aktuelle Markttrends eingeräumt und damit mantraartig erneut wiederholt, was bereits
seit Wochen vom Marktführer zu hören ist: Nokia habe die Entwicklung von Smartphones mit Touchscreen lange Zeit verschlafen. Gleichzeitig kündigte er allerdings eine Produktoffensive an. "Sie werden ein Feuerwerk an neuen Touchscreen-Geräten bei uns sehen", so Kallasvuo.
Symbian 3 mit Multi-Touch
Für das erste Halbjahr sind unter anderem neue Smartphones mit Symbian 3-Betriebssystem geplant, für die Nokia neben einfacher Bedienung, hoher Geschwindigkeit und exzellenter Grafik auch eine Multi-Touch-Steuerung ankündigt. Die Markteinführung komme allerdings sehr spät, räumte Kallasvuo ein. "Wir hätten damit wirklich früher herauskommen müssen". Nokia werde zukünftig aber beweglicher und schneller. "Dazu haben wir jetzt unsere Konzernstrukturen umgebaut. Nokia braucht Wandel, Wandel, Wandel", so der Nokia-Chef. Jetzt sei man in der Lage, viele Handys mit berührungsempfindlichen Displays zu unterschiedlichsten Preisen auf den Markt zu bringen. Das finnische Unternehmen hat dafür nach
hohen Verlusten massiv an der Kostenschraube gedreht.
Mittlerweile produziert das finnische Unternehmen fast ausschließlich in Niedriglohnländern und hat nach eigenen Angaben seine Effizienz deutlich steigern können. Von zehn Werken stehen nur vier in Europa – davon eines in Rumänien und eines in Ungarn. Vier weitere Fabriken befinden sich in Asien und jeweils ein Werk in Mittel- und Südamerika. Ausgehend von 2007 soll bis Ende 2010 insgesamt eine Kostenreduktion von 18 Prozent bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung von 32 Prozent erreicht werden.
Technologische Marktführerschaft im Visier
Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo. Bild: Nokia
Aber auch die technologische Marktführerschaft gehört zur zukünftigen Konzernstrategie. So werde bis Ende 2010 die Auslieferung von zwei Symbian-Geräten angestrebt, die mit einer neu konzipierten Bedienungsoberfläche und exzellenter Ausstattung neue Maßstäbe setzen sollen. "2010 werden wir die Bedienbarkeit verbessern und die Benutzeroberfläche von Symbian einen gewaltigen Schritt weiterentwickeln. Das Symbian-Betriebssystem besitzt eine so hohe Reichweite und Flexibilität, wie keine andere Plattform und wir haben bereits Maßnahmen vorbereitet, mit denen solche Smartphones bei steigenden Erlösen weltweit in niedrigere Preisregionen vorstoßen können", sagte Kallasvuo bereits Anfang Dezember auf dem "Nokia Capital Markets Day 2009". Auch der Anteil an Smartphones mit vollwertiger QWERTZ-Tastatur und/oder Touchscreen soll demnach massiv erhöht werden. Zudem sei die Markteinführung eines "mobilen Computers" im Stil des
N900 mit Maemo-6-Betriebssystem für das zweite Quartal 2010 geplant.
Die nächste große Herausforderung sieht Kallasvuo dabei in der Verknüpfung der Geräte mit Software und
mobilen Internet-Diensten. "Die Märkte für Computer, Handys und das Web verschmelzen", sagte er im "Capital"-Gespräch. Nokia habe daraus zwar frühzeitig die Konsequenzen gezogen, jedoch gebe es noch "Defizite bei der Umsetzung". Bestes Beispiel dafür ist der
erfolglose Musikdienst "Comes with Music". Aber auch der
Ovi-Store, Nokias Pendant zu
Apples App Store, blieb bisher hinter den Erwartungen zurück. Ob sich das in den nächsten Jahren ändern wird, bleibt abzuwarten. Die Weichen sind jedenfalls gestellt – sagen zumindest die Finnen.