Der Glasfaser als Internetzugangstechnologie mit hohen Bandbreiten gehört die Zukunft. Darüber waren sich die Teilnehmer des VATM-Glasfasertages in Düsseldorf einig. Doch wie sehen die Strategien der Internetanbieter für den Breitbandausbau aus? Drei
Provider stellten ihre Konzepte vor.
KDG: Netzausbau ohne Partner
Kabelnetzbetreiber befinden sich derzeit in einer vorteilhaften Position gegenüber herkömmlichen
DSL-Anbietern. Sie können in ihren ausgebauten Netzen Bandbreite und Produkte ohne Regulierung selbst bestimmen. Dank Einsatz von DOCSIS 3.0 sind heute schon Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und mehr möglich. Das
Kabel biete laut Annette Schumacher, Leiterin Regulierung & Public Affairs bei Kabel Deutschland (KDG), Kapazitäten von bis zu fünf Gigabit. Die Netzinfrastruktur in Deutschland sei jedoch sehr zersplittert, das Unternehmen in 13 Bundesländern aktiv.
82 Prozent der
Kabelanschlüsse des Kabelnetzbetreibers seien bereits rückkanalfähig, der restliche Teil sei dagegen kaum wirtschaftlich erschließbar. Die Rahmenbedingungen für einen weiteren Ausbau müssten stimmen, der Wettbewerb dürfe nicht verzerrt werden. Kooperationen mit anderen Partnern beim Ausbau stehen für Kabel Deutschland derzeit nicht an, im Mobilfunksektor gebe es jedoch eine Zusammenarbeit mit
o2. Einigungen seien vor allem mit der Wohnungswirtschaft erforderlich. Von Förderprogrammen könne der Internetanbieter aufgrund mangelnder Flächendeckung dagegen nicht profitieren: Nicht alle Bürger seien wegen der historischen Entwicklung des Kabelnetzes anschließbar. So sei in Gewerbegebieten damals kein Kabel verlegt worden, da dies ursprünglich nur für den TV-Empfang konzipiert worden war.
Vodafone: Jedes Haus muss ans Glas
Die Bandbreite im Festnetz marschiere in Richtung Gigabit, so Josef Schäfer, Bereichsleiter Strategie und Innovation bei
Vodafone. Die Grenzen für
mobiles Internet lägen dagegen im Megabit-Bereich. Neue Anwendungen wie UHD, dem Nachfolger der HD-Technologie mit Auflösungen von 7680x4320 Pixeln, benötigten weit höhere Bandbreiten. Schäfer forderte auch, dass jedes Haus in Deutschland "ans Glas" müsse. Der Zeitpunkt, wann dies erreicht werden könne, sei derzeit aber noch ungewiss. Jede Gelegenheit müsse zur Glasfaserverlegung genutzt werden, etwa beim Umbau von Straßen.
Vodafone verfüge neben ersten
VDSL-Zugängen auf Bitstream-Basis über 70 Prozent eigene
DSL-Infrastruktur. Der Kunde solle die hinter den Produkten stehenden Technologien nach Möglichkeit aber nicht bemerken. Investoren, die jetzt auf den Glasfaserausbau setzten, müssten sich um die Rendite nicht sorgen, so Schäfer. Auch bei Einsatz der
UMTS-Nachfolgetechnologie
LTE sei man gezwungen in
Glas zu investieren. Beim Erschließen von
weißen Flecken auf dem Land denkt Vodafone über Partnerschaften nach, etwa durch Teilen von Mobilfunkmasten oder über eine Art Roaming-Modell.