Facebook will dieses Problem nun lösen und mehr Datenschutz ermöglichen. Das Unternehmen aus San Francisco
kündigte diese Woche an, dass Nutzer die Leserschaft ihrer Beiträge künftig genauer festlegen können. Zum einen gibt es neue Standardeinstellungen, die zwischen eigenen Kontakten, Freunden der Freunde sowie dem gesamten Netzwerk unterscheiden. Zum anderen können Mitglieder die Zielgruppe aussuchen und etwa die Fotos von der Fahrt der Fußballmannschaft den Kollegen vorenthalten. Die Differenzierung erfolgt über selbstangelegte Listen, in die man seine Kontakte einteilt. Wettbewerber wie StudiVZ erlauben lediglich eine gröbere Einteilung - Fotos etwa können alle, nur die eigenen Freunde oder bloß man selbst ansehen.
Der Nutzer wird zum gläsernen Vermarktungsobjekt
Facebook geht mit diesem Schritt nicht nur auf die Sorgen der Nutzer ein, sondern profitiert auch selbst. Das Kalkül: Wenn Nutzer so leicht die Zielgruppe einschränken können, sind sie freizügiger und offenbaren ihre Gedanken standardmäßig dem gesamten Netzwerk. Ein Unternehmenssprecher empfahl diese Einstellung - so ticke die Welt heute nun mal. Das bietet Facebook zwei Vorteile: Je mehr es zu entdecken gibt, desto mehr Zeit verbringen die Mitglieder auf der Plattform - Zeit, die der Betreiber bei der Werbeindustrie vermarkten kann. Zudem bergen die gesammelten Statusmeldungen einen Schatz: In ihrer Masse fassen sie zusammen, was Millionen von Nutzern just in diesem Moment bewegt.
Auf derartige Informationen in Echtzeit sind Betreiber von Suchmaschinen scharf - der Kurzmeldungsdienst
Twitter hat etwa
mit Google und Bing Deals gemacht. "Je mehr Daten auf Facebook veröffentlicht werden, desto mehr Möglichkeiten entstehen für die eigene Suche und für Suchmaschinen", schreibt das US-Fachblog "Techcrunch". Der in Statusmeldungen gegossene Zeitgeist erschließt dem Unternehmen vielleicht neue Einnahmequellen und hilft ihm so in die schwarzen Zahlen.
Christian Wolf
/ dpa