Es war ein kapitaler Feiertag für die Beamten des Bundesfinanzministeriums. Nach dem Ende der UMTS-Lizenzversteigerung im Jahr 2000 entlasteten rund 99 Milliarden Mark zusätzliche Einnahmen den klammen Bundeshaushalt. In beispiellosen Bieterwettkämpfen trieben sich die Mobilfunkunternehmen im Kampf um die UMTS-Frequenzen gegenseitig in ungeahnte Höhen. "Keiner gönnt dem anderen eine Lizenz auf dem Wachstumsmarkt
UMTS", sagte damals Harald Dörr, Sprecher der Regulierungsbehörde. Fast zehn Jahre später hat sich die Euphorie deutlich relativiert. Zwar steht im zweiten Quartal 2010 erneut eine wichtige Versteigerung von Funkfrequenzen auf der Agenda – sogar die größte, die es in Deutschland je gab. Jedoch könnte diese zum Desaster für die Staatskasse werden, so Klaus von den Hoff, Telekommunikationsexperte der Unternehmensberatung Arthur D. Little, im "Handelsblatt".
Keine Goldgräberstimmung
Ein Grund: Nach dem Ende der Rekord-Auktion wurden die hohen Erwartungen schnell getrübt. Der UMTS-Standard fand nur langsam seinen Weg zum Endverbraucher und hat bis heute keine Massenbegeisterung ausgelöst. Hohe Gebühren schreckten zu Beginn viele Interessierte ab und sorgten für einen groben Fehlstart der hochgelobten Technik. In Unternehmerkreisen gilt der gesamte Ablauf bis heute als Beispiel für einen geschäftspolitischen Fehlschlag. Die Mobilfunkunternehmen haben ihre Lektion durch milliardenschwere Abschreibungen schmerzlich gelernt. Statt Goldgräberstimmung beherrschen daher nun betriebswirtschaftliche Grundsätze die Diskussion um die anberaumte Versteigerung.
Vodafone-Chef Joussen: "Keine Preistreiberei". Bild: Vodafone
Vodafone-Chef Friedrich Joussen etwa zeigte sich unlängst zuversichtlich, dass es dieses Mal
keine "Preistreiberei" geben werde. Auch Branchenkenner schätzen die Wahrscheinlichkeit für ungebremste Finanzduelle um die
digitale Dividende als äußerst gering ein. "Wir erwarten einen Auktionserlös in der Größenordnung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro", sagte von den Hoff dem "Handelsblatt". Andere Beobachter sehen bis zu fünf Milliarden Euro als realistisch an. Glaubt man den Prognosen, wird die erreichbare Summe damit aber höchstens zehn Prozent des Betrages von 2000 ausmachen.