Ist der Klimawandel eine Weltverschwörung von Wissenschaftlern? Der Datenklau hunderter persönlicher E-Mails aus einem renommierten britischen Forschungszentrum führt derzeit zu erhitzten Debatten von Klimawandel-Skeptikern und Klimaforschern - vor allem im Internet. Während die einen in den gehackten E-Mails Beweise gefunden haben wollen, dass die globale Erwärmung eine Erfindung ist, wittern die anderen den gezielten Versuch, die Klimakonferenz in Kopenhagen zu sabotieren, die am Montag beginnt.
Codename "Climagate"
Die Affäre hat sich im
Internet schon zum "Climategate" gemausert. Vorläufiger Höhepunkt: Der Direktor der weltbekannten Climate Research Unit an der britischen Universität von East Anglia, Phil Jones, trat vorübergehend von seinem Amt zurück. Damit soll eine unabhängige Untersuchung erleichtert werden. Vom
E-Mail-Server seines Zentrums hatten unbekannte Hacker die Dateien kopiert. Die Korrespondenz aus 13 Jahren tauchte Mitte November zunächst auf einem russischen
Server auf und machte dann im Netz schnell die Runde, vor allem über klimaskeptische Seiten wie climateaudit.org. Jones lässt seinen Direktorenposten nun ruhen, bis eine Untersuchung der Vorgänge und Vorwürfe abgeschlossen ist. Den Verdacht einer Datenmanipulation weist er indes als "kompletten Blödsinn" zurück.
Der Weltklimarat (IPCC) hält die Vorwürfe für absurd. Screenshot: onlinekosten.de
Weltklimarat: Der Mensch hat das Klima ohne Zweifel verändert
Die Beweislage für den Klimawandel und gegen den Menschen ist erdrückend: In den vergangenen 200 Jahren hat der Mensch unter anderem mehr als die Hälfte der Wälder der Erde zerstört. Der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre kletterte seit Beginn der Industrialisierung um ein Drittel, die weltweite Durchschnittstemperatur stieg seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts um 0,74 Celsius, der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um 17 Zentimeter. Das alles hat der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Bericht festgehalten.
Klimawandel-Skeptiker empören sich dagegen im Internet in einschlägigen Blogs - oft in rauem Ton - über angebliche Manipulationen, die in der gestohlenen E-Mail-Korrespondenz belegt seien. So werfen sie den Wissenschaftlern etwa vor, sie hätten diskutiert, wie sich unliebsame Arbeiten aus Fachjournalen oder dem IPCC-Weltklimabericht heraushalten lassen.