Sonntag, 27.12.2009 09:01

Datenpannen 2009: "Entblößungskult beenden"

aus dem Bereich Sonstiges
Deutschland ist im Jahr 2009 von einer Welle von Datenpannen und -skandalen schier überrollt worden. Seit dem Skandal um die Bespitzelung von Lidl-Mitarbeitern liegen bei Datenschützern in immer kürzeren Intervallen neue Affären auf dem Tisch. Dazu kommen neue Risiken durch die wachsende Nutzung von Internet-Diensten und sozialen Netzwerken wie Facebook.

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Datenklau oft nicht einmal strafbar

Ob ahnungslos oder nachlässig - Internet-Nutzer geben oft mehr über sich preis, als ihnen lieb sein dürfte. Zudem gewähren mangelhafte Sicherheitssysteme immer wieder Datendieben freien Zutritt. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichten die Datenskandale im Netz erst vor wenigen Wochen: Für Schlagzeilen sorgte ein junger Hacker, der ohne große Probleme an 1,6 Millionen Nutzer-Daten des Online-Netzwerks schülerVZ kam.

Der junge Mann, der wegen versuchter Erpressung in Untersuchungshaft saß, nahm sich das Leben. Er hatte über Sicherheitslücken den Datensatz ausgelesen - darunter auch sensible personenbezogene Daten, die nur für Freunde der Mitglieder hätten zugänglich sein sollen.

Mit dieser Form von "Datenklau" hätte sich der Hacker nicht strafbar gemacht. Als Datendiebstahl unter Strafe steht allein, wenn dafür illegal Schutzmaßnahmen ausgehebelt werden. In diesem Fall stand das Tor zum System allerdings weit offen. Es waren nicht einmal Programmierkenntnisse nötig, sondern nur eine weit verbreitete Software und etwas Kombinationsgeschick.

Mit Daten geizen: Jugend denkt um

Das Design des Systems habe geradezu dazu eingeladen, Daten abzugreifen, konstatiert die Datenschutz-Spezialistin Marit Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein. Der 20-Jährige hatte die zum Schutz vor dem Ausspähen genutzten Grafik-Bestandteile, sogenannte Captchas, mühelos auslesen können.

Mit der steigenden Popularität sozialer Netzwerke wächst auch der Bestand teils sehr persönlicher und sensibler Daten im Netz. Während sich die digitalen Plattformen technisch noch in den Kinderschuhen befänden, stelle die wachsende "Entblößungsgesellschaft" eine zunehmende Herausforderung dar, sagt Hendrik Speck, Informatiker und Professor an der Fachhochschule Kaiserslautern.
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