Wenn Hildegard Wielage ihr Enkelkind sehen will, setzt sie sich vor den Rechner. Ihr Sohn ist mit einer Chinesin verheiratet, seine kleine Familie verbringt viel Zeit in Asien. Deswegen meldete sich die Bau-Unternehmerin im August bei
Facebook an. "Als Mutter will man nicht den Anschluss verlieren, wenn sich die Kinder in der Welt herumtreiben", sagt die 58-Jährige augenzwinkernd. In dem Online-Netzwerk sieht sie gleich, wenn ihr Sohn neue Fotos von dem Kleinen hochgeladen hat - und kann prompt einen begeisterten Kommentar hinterlassen.
Ein Massenphänomen
StudiVZ und
Xing, Lokalisten und Wer-kennt-wen, Facebook und auch
Twitter:
Soziale Online-Netzwerke sind im Jahr 2009 endgültig zum Massenphänonen geworden. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Internetnutzer in Deutschland ist auf einer der vielen Plattformen aktiv. Das hat der E-Mail-Anbieter "web.de" Anfang des Jahres in einer Studie herausgefunden - mittlerweile dürften es noch mehr sein.
"Soziale Netzwerke sind für jüngere Menschen mittlerweile zum Hauptkommunikationsmedium geworden", sagt Prof. Hendrik Speck von der FH Kaiserslautern. Auch Ältere wie Hildegard Wielage vernetzen sich, stöbern in den Profilen ihrer Freunde und schicken Nachrichten oder Bilder herum. Die Kommunikationsmaschinen rattern auf Hochtouren.
Die Netzwerke erfüllen ein urmenschliches Bedürfnis, ist Jan Schmidt überzeugt. "Nutzer können sich ein
Profil schaffen, das die Persönlichkeit repräsentiert", erklärt der Kommunikationssoziologe, der die Welt des Web 2.0 am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg erforscht. Ein bisschen Selbstdarstellung, ein bisschen Tratsch, aber auch ein paar Häppchen aus der Nachrichtenwelt - die Mischung macht's.
Politiker erkennen Potenzial
Im Superwahljahr 2009 sind die Politiker ihren Wählern ins Netz gefolgt. Abgeordnete und Parteizentralen buhlen mit 140 Zeichen langen Twitter-Meldungen um die Gunst der Wähler. Kanzlerin Merkel hat bei StudiVZ noch immer 73.500 Anhänger. Und auch immer mehr Unternehmen haben die Meinungsmacht der Netzwerke erkannt und geben sich mit Tweets und Profilen nahbar.