US-Medienmogul John Malone nimmt einen neuen Anlauf auf dem deutschen Kabelmarkt: Sein Konzern
Liberty Global kauft den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Der Preis beträgt 3,5 Milliarden Euro, wie beide Unternehmen am Freitag mitteilten. Etwa 1,5 Milliarden Euro davon machen die Schulden von Unitymedia aus. Im ersten Halbjahr 2010 will Liberty 100 Prozent des Stammkapitals von Unitymedia mit Sitz in Köln erwerben.
Zweiter Malone-Versuch
Mit
Unitymedia erreicht
Liberty Global nach eigenen Angaben weltweit insgesamt mehr als 40 Millionen Haushalte. Der Kabelkonzern unterhält Netze in 14 Ländern, unter anderem in Europa, Japan, Chile und Australien. Hinter ihm steht der amerikanische Multimilliardär John Malone, der bereits 2002
vergeblich versucht hatte, einen Fuß auf den deutschen Markt zu bekommen. Damals wollte er der
Deutschen Telekom den Großteil des Kabelnetzes abkaufen - für 5,5 Milliarden Euro. Er scheiterte damit aber am Bundeskartellamt. Auch die Unitymedia-Übernahme muss noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.
John Malone
Bild: Liberty Global
Unitymedia-Chef Parm Sandhu sagte der dpa, die Übernahme durch Liberty mache das Unternehmen wettbewerbsfähiger. Künftig könne Unitymedia von den Technologien und der Forschung eines internationalen Konzerns profitieren. Dies sei angesichts von globalen Wettbewerbern wie Telekom und
Vodafone zunehmend wichtig.
Zu Spekulationen um einen ursprünglich noch für dieses Jahr geplanten Börsengang von Unitymedia sagte Sandhu, Unitymedia habe nie konkrete Pläne dafür geäußert, sondern lediglich verschiedene Optionen ausgelotet.
Liberty will in Deutschland nicht weiter zukaufen
Liberty Global erwartet von dem Kauf nach Angaben von Vizepräsident Shane ONeill deutliche Kostenersparnisse. Weitere Pläne für eine Expansion auf dem deutschen Markt habe Liberty nicht. Zur Frage, ob die Kartellbehörden dieses Mal das geplante Geschäft genehmigen, wollte ONeill keine Stellung nehmen. Dieser Fall sei nicht mit dem von 2002 vergleichbar. Ein Sprecher des Bundeskartellamtes sagte auf dpa-Anfrage, dort sei bisher keine Anmeldung zu der beabsichtigen Fusion eingegangen. Nach Angaben eines Liberty-Sprechers ist aufgrund der Größe des Deals aber ohnehin die EU-Wettbewerbsbehörde in Brüssel zuständig und nicht das Bundeskartellamt.