Marc liebt Computerspiele - aber er bezahlt nicht gerne dafür. Wenn der Realschüler aus Dortmund neue Pixel-Welten entdecken will, schaut er sich in
Internet-Tauschbörsen um. Ein Klick, und seine Rechenmaschine saugt die Gigabytes herunter. "Klar, das ist illegal", sagt Marc. Aber ein schlechtes Gewissen hat er nicht. "Wenn ein Spiel echt gut ist, kaufe ich es mir manchmal auch." Wann das zum letzten Mal passiert ist, weiß er aber nicht mehr.
Eldorado für Raubkopien
Computerspiele werden kopiert, seit es sie gibt. Doch früher war das noch Handarbeit, Spieler mussten alle Disketten oder CD-ROMs einzeln vervielfältigen. Dank Tauschbörsen sparen sich Raubkopierer diese Mühe und bedienen sich seither großzügiger denn je. Die vernetzte Welt bedroht das klassische Geschäftsmodell der Computerspiele-Industrie. Das Ausmaß der Kopierwut lässt sich kaum beziffern, belastbare Statistiken gibt es nicht. Doch sobald ein Blockbuster auf den Markt kommt, stürmt er auch die Charts der illegalen Tauschplätze. Auch wenn nicht jeder Nutzer gleich eine legale Version gekauft hätte, dürfte der Schaden weltweit in die Milliarden gehen.
Begehrte Neuerscheinungen wie Fifa 10 sind häufig von Raubkopien betroffen. Bild: Electronic Arts
Kopierschutz nutzlos
Auch der Kopierschutz verhindert das nicht: Hacker haben bisher so ziemlich jedes digitale Schloss geknackt. Und je dickere Ketten die Industrie anlegt, desto mehr scheinen Spieler sich aufgerufen zu fühlen, den Konzernen einen Strich durch die Rechnung zu machen und die Software zu kopieren. "Viele Nutzer haben ein falsches Verständnis von der Freiheit des Konsumenten", klagt Jens Uwe Intat, der beim Spiele-Riesen Electronic Arts (EA) das Europageschäft leitet.
Die Branche bekämpft die Kopierkultur mit Abschreckung, Aufklärung - und mit einigen Verlockungen: Wer ein Original kauft und sich registriert, bekommt bei einigen Spielen ein paar Extra-Level oder schaltet Figuren frei. Und der Käufer, so betonen die Anbieter, erhält virenfreie Software - anders als oft in Tauschbörsen.
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