Rund um die Ermittlungen zu dem
Hacker-Angriff auf das soziale Netzwerk SchülerVZ, gießt ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" neues Öl ins Feuer. Nach Informationen des Blattes haben die Betreiber von SchülerVZ über mehrere Tage mit dem Beschuldigten über eine Datenrückgabe verhandelt. Bei einem gemeinsamen Treffen in Berlin wurde schließlich wegen eines angeblichen Erpressungsversuchs die Polizei eingeschaltet und es
erfolgte eine Festnahme. Wenige Tage später, beging der Beschuldigte 20-Jährige
während seiner Untersuchungshaft Selbstmord.
Schwerwiegende Vorwürfe
Die nun aufgetauchten Vorwürfe des "Spiegel" lassen die VZnet-Netzwerke in keinem besonders positiven Licht stehen. Wie es heißt, habe der Technik-Chef des sozialen Netzwerks über einen
Internet-Chat Kontakt zu dem unter dem Pseudonym "Exit" auftretenden Hacker aufgenommen. Dem Chat-Protokoll sei zu entnehmen, dass "Exit" teils gelockt, teils sogar gedroht wurde.
Mehrfach sei von Seiten der VZ-Netzwerke das Thema Geld angesprochen worden. Wenn man es schaffe, die Daten zu lokalisieren und zu löschen, dürfe "uns das auch was kosten", zitiert das Nachrichtenmagazin die Chat-Aussagen des Technik-Chefs. An anderer Stelle sollen die Worte "du - und andere können bei uns rumhacken wie sie wollen. ich bezahl euch sogar gerne dafür!", gefallen sein. Und weiter: "wenn ich jemanden dafür bezahle, möchte ich, dass das nicht public wird".
Nach mehreren Stunden habe es dann sogar geheißen: "Also, was ist Sache. Kooperation oder Krieg?". Weil sich der Beschuldigte offenbar für eine Kooperation entschied, verriet er seinen Namen und seine Adresse und reiste er auf Kosten der VZ-Netzwerke nach Berlin.
Dort behauptete "Exit" nach Angaben des Technik-Chefs, er habe ein Kaufangebot über 80.000 Euro erhalten. Für eine weitere Kooperation verlangte er aber 20.000 Euro sofort, so der "Spiegel". In einer Vernehmung habe der aus Erlangen stammende Beschuldigte gesagt, die Summe von 80.000 Euro spontan genannt zu haben. Außerdem habe er sich bereit erklärt, die bei ihm befindlichen Daten zu löschen, wenn er bis zum folgenden Montag 20.000 Euro erhalte. "Wenn die mir Geld anbieten, nehme ich es gern an", habe er in der Vernehmung bei der Kripo gesagt.
Fragwürdig sei aber auch das Vorgehen der Justiz, so der "Spiegel" weiter. Der Beschuldigte sei in einer Einzelzelle untergebracht worden, obwohl aktenkundig war, dass er an einer "kombinierten Persönlichkeitsstörung" litt.
VZ-Chef weist Vorwürfe zurück
Durch die neuen Vorwürfe hat sich am Samstag auch VZ-Chef Markus Berger de León zu Wort gemeldet. Im firmeneigenen Blog schreibt er, sich zu einzelnen aus dem Zusammenhang gerissenen Details der Ermittlungsunterlagen (inklusive des Chat-Protokolls) nicht äußern zu wollen. Er stellt aber klar: "Zu keinem Zeitpunkt haben wir dem Tatverdächtigen ein Zahlungsangebot oder gar Schweigegeldangebot für die entsprechenden Daten oder den Crawler unterbreitet. Fest steht auch, dass der Tatverdächtige nicht bereit war uns den Crawler oder die Daten auszuhändigen. Er drohte vielmehr die Daten weiter zu verbreiten, sofern wir nicht auf seine Forderungen eingehen." Die Beurteilung und Handhabung des Falls liege in der Verantwortung der zuständigen Behörden.