Undurchsichtige Handytarife, komplizierte Finanzprodukte, Konditionenwirrwarr - Bürger ertrinken in einer Flut von Informationen. "Kunden werden bewusst in die Irre geführt, desinformiert und abgezockt", meint Max Otte, Professor an der Fachhochschule Worms. Verschleierungstaktiken von Banken gingen unvermindert weiter, politische Konsequenzen aus der Finanzkrise erschöpften sich in der Diskussion um Bonuszahlungen, kritisiert Otte in seinem an diesem Freitag erscheinenden Buch "Der Informationscrash - Wie wir systematisch für dumm verkauft werden". Eine gigantische Über- und Desinformation hat seiner Ansicht nach die Finanzkrise erst möglich gemacht. "Und jetzt geht es weiter im Text, als wäre nichts gewesen."
Mehr Transparenz gefordert
Otte legt den Finger in die Wunde. So kritisierte auch Verbraucherministerin Ilse Aigner das "Juristendeutsch" der Banken. Die neuen Regeln für Überweisungen und Kartenzahlungen seien noch nicht verständlich genug. Dabei muss die Finanzwirtschaft dringend verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. "Banken und die Wirtschaft allgemein müssten stärker um eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz ringen", forderte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz.
Mehr Transparenz und vor allem weniger verwirrende und falsche Informationen fordert auch Otte, der als einer der ersten und wenigen eindringlich vor der Krise gewarnt hatte. "Als sein Buch 'Der Crash kommt' 2006 erschien, wollte von Krise niemand etwas wissen", sagt Caroline Kraft vom Econ-Verlag. Das sollte sich 2008 schlagartig ändern. Bis heute verkaufte sich sein Buch mehr als 440.000 Mal. Otte legt nun in seinem neuen Buch noch einmal nach: "Die Finanzkrise ist Symptom eines viel größeren Wahnsinns, der unsere Wirtschaft und Gesellschaft infiziert hat: der Virus der Desinformation."
Viele Menschen wüssten nicht mehr, wem sie glauben können, was sie glauben können und ob es überhaupt noch Sinn macht, sich um tiefere Einsichten zu bemühen. Ottes zentraler Lösungsvorschlag scheint simpel: Vertrauen aufbauen. Er rät dazu, sich Geschäftspartner, Händler und Dienstleister zu suchen, denen man vertrauen kann. "Das geht nicht über Nacht, das muss wachsen."
Hayo Lücke
/ dpa