Nachdem bereits die
US-Kontrolle über die Internet-Verwaltung ICANN gelockert werden soll, steht nun ein weiterer Schritt in Richtung Internationalität an. Ob Koreanisch, Kyrillisch oder Arabisch: Adress-Endungen wie ".de" - sogenannte Top Level Domains - werden zukünftig auch in nicht-lateinischen Schriftzeichen zugelassen. Die ICANN trifft die Entscheidung voraussichtlich an diesem Freitag bei einem Treffen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. "Von den 1,6 Milliarden Internetnutzern verwendet mehr als die Hälfte Sprachen, die nicht auf lateinischer Schrift basieren", begründet Chef Rod Beckstrom den Schritt. Erste
Websites mit den neuen Endungen seien voraussichtlich ab Mitte 2010 online.
"Das Internet ist für alle da"
Amerikanische Forscher verschickten vor 40 Jahren erstmals eine Nachricht über zwei verbundene
Computer, bis heute prägen sie das globale Netz. "Viele Schwellenländer haben das Internet lange nicht beachtet", sagt Thomas Keller, Experte für Domains beim Internet- Dienstleister
1&1. Erst seit ein paar Jahren wächst ihr Interesse - und mit ihm die Forderung nach wahrhaft internationalen Domain-Namen. Einige Nutzer hätten das Gefühl, das Netz sei eine angelsächsische Gemeinschaft, kritisiert nun etwa Kwon Hyun Joon, Funktionär der koreanischen Internet-Verwaltung. "Es sollte allen Menschen auf der ganzen Welt zur Verfügung stehen - unabhängig von ihrer Sprache", fordert der Koreaner stellvertretend für viele Menschen in Ländern wie China, Korea, Russland oder Indien.
Zukünftig sind chinesische Websites auch ohne lateinische Schriftzeichen erreichbar.
Screenshot: onlinekosten.de
Nun ist es nicht so, als ob zurzeit jeder Surfer fließend Englisch beherrschen muss, um online zu gehen. Teile der Adresse können auch jetzt schon in der Landesschrift eingegeben werden - nur die Top Level
Domain noch nicht. "Das ist eine Sache von Nationalstolz und in manchen Fällen von kultureller Identität", sagt ICANN-Chef Beckstrom.