Auf Initiative der EU-Kommission fand am Montag bereits zum vierten Mal ein runder Tisch zur Diskussion um verbesserte Online-Vertriebswege von Musik statt. Erstmals einigten sich dabei Vertreter aus Handel, Industrie und Politik auf gemeinsame Grundprinzipien, die den Online-Musikmarkt künftig kennzeichnen sollen. Ziel: Europäische Verbraucher erhalten einen leichteren Zugang zu kommerziellen Musikdownloads.
Gemeinsamer digitaler Vertrieb
Die Teilnehmer des Treffens stammen aus allen Bereichen des Musikgeschäfts. Neben
Apple, Amazon und der Plattenfirma EMI waren auch
Nokia und der Musikriese Universal beteiligt. Komplettiert wurde die Runde durch Vertreter der europäischen Verbraucherzentrale (BEUC) sowie der französischen Urheberrechtsgesellschaft SACEM, ihrem britischen Pendant PRS for Music sowie der schwedischen Lizenzierungsgesellschaft STIM. Vereinbart wurden eine stärkere Zusammenarbeit untereinander sowie weitere konkrete Schritte, um die Möglichkeiten des digitalen Vertriebs durch intelligentere Lizenzmodelle besser zu nutzen. So sollen zukünftige europäische Lizenzierungsplattformen im
Internet die Künstler verschiedener Urheberrechtsgesellschaften umfassen und durch einheitliche Rechtemodelle ein möglichst breites Angebot garantieren.
Die Zusammenarbeit der Rechteinhaber bleibt dabei zwar auf eine freiwillige Kooperation begründet, soll aber durch eine Ausgabe von gebietsübergreifenden Lizenzen bisherige Hürden im Onlinegeschäft überwinden. Der Zugang zu diesen Plattformen müsse demnach sowohl für die Künstler als auch Konsumenten völlig frei sein. Für die Kreativen dürfe er jedoch gleichzeitig auch nicht zur Pflicht werden. Um zudem Informationen über Rechte und Rechteinhaber einfacher zugänglich zu machen, soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein einheitliches Rahmenmodell für den Austausch und die Identifikation von Rechten ausarbeiten. Dadurch sollen Ansprechpartner und Rechtebesitzer für kommerzielle Interessenten an einer Nutzung schneller offensichtlich sowie Rechteverletzungen vermieden werden.
"Das erste Mal, dass eine solche Vereinbarung zustande kommt"
EU-Kommissarin Neelie Kroes. Bild: EU-Kommission
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen. "Die Europäischen Verbraucher wollen und verdienen bessere Online-Musikangebote. Die heutige Vereinbarung des runden Tisches von Kernprinzipien ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung." Es sei das erste Mal überhaupt, dass Vertreter verschiedener Bereiche des Marktes eine gemeinsame Strategie vereinbarten, so Kroes.
Einige Teilnehmer kündigten darüber hinaus weitere konkrete Schritte an. So gab etwa Apple bekannt, das Downloadportal
iTunes im kommenden Jahr in weiteren europäischen Ländern verfügbar machen zu wollen. Die französische SACEM stellte zudem kommende Verhandlungen und Kooperationen mit anderen Urheberrechtsgesellschaften in Aussicht. Ziel sei die Errichtung einer gemeinsamen Plattform, die ein höchstmögliches Maß an Online-Musik in Europa zur Verfügung stellen soll.