Nokias mit einer großen Werbeoffensive gestartete
Musikflatrate "Comes with Music" (CwM) kommt alles andere als in Schwung. Nach Angaben des
Musikportals "Music Ally" lag die Anzahl der registrierten Nutzer nach über neun Monaten Laufzeit im Juli 2009 weltweit bei lediglich 107.000. Obwohl aktuellere Zahlen bisher nicht vorliegen, ist die Statistik Ausdruck eines deutlichen Flops für den
Weltmarktführer im Handygeschäft.
Finanzielles Debakel
Die dürftigen Zahlen sind aber nicht nur ein Imageschaden. Sie zeugen auch von einem finanziellen Debakel für das finnische Unternehmen, das ohnehin derzeit
mit größeren Verlusten zu kämpfen hat. CwM war im Oktober 2008 mit viel Aufwand
in Großbritannien gestartet und wurde bis Juli 2009 sukzessive in acht weiteren Ländern eingeführt - überall allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Die meisten Nutzer des Dienstes kamen zum Erhebungszeitpunkt mit rund 32.700 von der britischen Insel. Aber auch hier waren die Wachstumsraten äußerst dürftig. Seit April 2009 stieg die Zahl der Abonnenten in drei Monaten um lediglich 10.000. In Australien (Start März 2009) luden immerhin noch knapp 23.000 Handybesitzer ihre Musik mit CwM herunter, gefolgt von Singapur (seit Februar 2009) mit rund 19.300 und Mexiko (ab Mai 2009) mit etwa 16.400 Nutzern.
Katastrophale Bilanz - besonders in Europa
Andernorts ist die Situation erheblich schlechter. Während in Brasilien ab Start im April 2009 noch circa 10.800 Audiofreunde den Nokia-Dienst verwendeten, sah es insbesondere in vielen europäischen Ländern katastrophal für die Finnen aus. Selbst bei den skandinavischen Nachbarn in Schweden konnten sich seit Einführung im Mai bis Mitte dieses Jahres nur rund 1.100 Nutzer für CwM begeistern. Deutschland liegt, prozentual im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gesehen, sogar noch weit unter diesem Wert. Nur knapp 2.600 Musikliebhaber bezogen im Juli 2009 ihre Lieblingslieder aus dem ebenfalls
zwei Monate zuvor gestarteten Angebotsportal. Auch in Italien (Start im April 2009) und der Schweiz (Start im Juni 2009) reichte die Nutzerzahl im Sommer kaum für eine repräsentative Meinungsumfrage - etwa 700 beziehungsweise 560 Eigentümer eines Nokia-Handys waren hier angemeldet.
Nokia's Musikdienst "Comes with Music" findet nur wenig Anklang. Screenshot: onlinekosten.de
Zweckoptimismus bei Nokia
Auf Anfrage von "Music Ally" gab sich
Nokia nach außen von den Zahlen unbeeindruckt. Die bisherige Strategie werde fortgesetzt und "Comes with Music" in weiteren Ländern an den Start gehen, so ein Sprecher des Unternehmens. Weitere Details dazu würden innerhalb der nächsten Wochen bekanntgegeben. Zu den präsentierten Nutzerzahlen wollte der Nokia-Vertreter sich hingegen nicht äußern. "In Bezug auf die vorgestellten Statistiken folgen wir unserer langjährigen Firmenpolitik und kommentieren weder Spekulationen noch Gerüchte", hieß es.
Selbst wenn die Zahlen allerdings nur annähernd stimmen, besteht wenig Hoffnung für Nokias Musikdienst. Denn die Konkurrenz ist fast übermächtig: Einen Monat vor dem Start von "Comes with Music" im Oktober 2008 vermeldete allein
Apple mit seinem Downloadportal
iTunes bereits über 65 Millionen Nutzer-Accounts.