Auch wenn die Leser bislang lieber zu bedrucktem Papier greifen: Die Verlagsbranche setzt auf E-Books. Einige Marktforscher gehen davon aus, dass elektronische Bücher schon in wenigen Jahren mehr Umsatz bringen als ihre klassischen Pendants. Auf der Frankfurter Buchmesse wollen daher etliche Hersteller den Besuchern Geschmack auf ihre Lesegeräte machen. In den vergangenen Tagen machte zwar
Amazon mit seinem Kindle die meisten Schlagzeilen, deutschen Lesern sollen aber durchaus Alternativen schmackhaft gemacht werden.
Kindle für 250 Euro
Der Online-Händler aus den USA bringt den
Kindle in Deutschland und 100 weiteren Ländern in den kommenden Wochen heraus. Der Lese-Flachmann ist in den USA ein Kassenschlager, hierzulande ist es bis dahin allerdings noch ein weiter Weg. Denn zum einen bietet Amazon bislang nur englischsprachige Bücher an. Das deutsche Zeitungsangebot ist mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dem "Handelsblatt" und der "Wirtschaftswoche" schmal.
Zum anderen müssen Kunden das Gerät im US-Laden bestellen und daher hohe Versandkosten und Zoll in Kauf nehmen. Auf 360 Dollar (250 Euro) summieren sich die Ausgaben. Immerhin: Wer über eine
UMTS-Verbindung neue Titel laden will, zahlt nichts extra, weder in Deutschland noch auf Auslandsreisen.
Keine Bücher für breite Masse
Dennoch traut Amazon-Manager Ian Freed dem Kindle einiges zu: "Die internationale Nachfrage nach englischsprachigen Büchern ist groß." Anglophile Leser müssten nicht mehr zwei Wochen auf die Lieferung warten und auch keinen Preisaufschlag in Kauf nehmen, sondern könnten Fachliteratur und Schmöker binnen 60 Sekunden herunterladen. Der etwas höhere Preis als in den USA dürfte Fans nicht abschrecken: Ein Bestseller werde in Deutschland statt 10 zwischen 12 und 14 Dollar kosten, kündigte Freed an.
Handelsexperten warten gespannt, wie geschickt Amazon mit den deutschen Verlagen verhandelt. Da der US-Riese als einziger Anbieter nicht das bei den deutschen Online-Läden verbreitete EPUB-Format unterstützt, können Nutzer nicht einfach Titel aus Läden wie Libri.de oder Thalia.de herunterladen. Solange es keine Bücher für die breite Masse gibt, meint das Fachmagazin "Buchreport", sei Amazon mit dem Lesegerät ein "schlafender Riese".