Früher stahlen Piraten mit Vorliebe Schatzkarten, um auf fernen Inseln sagenhafte Goldmengen zu finden. Oder sie plünderten spanische Schiffe im Auftrag der englischen Krone. Heute macht die klassische Seeräuberei nur noch einen Teil der zeitgenössischen Piraterie aus. Die meisten Piraten tummeln sich mittlerweile im
Internet und tauschen illegal Filme, Computerspiele sowie Musikdateien. Und zunehmend Bücher. Seit kostenpflichtige E-Books verstärkt auf den Markt drängen, steigt daher die Angst bei den US-Verlagen vor einer ähnlich drastischen Entwicklung wie im Musikbereich.
Raubkopien als Umsatzgefahr
"Wir beobachten eine steigende Anzahl von Raubkopien bei allen Arten von Büchern - so gut wie jede Kategorie ist hier vertreten", so Ed McCoyd, Geschäftsführer des amerikanischen Verlegerverbandes
Association of American Publishers gegenüber der "New York Times". "Was aber passiert erst, wenn 20 bis 30 Prozent aller Leser auf digitale Bücher umsteigen? Piraterie ist ein ernstzunehmendes Problem." Denn trotz aller Befürchtungen liegen die
Hoffnungen der Verlage auf den E-Books. Zwar reicht deren diesjähriger Anteil am Umsatz in den USA mit 81,5 Millionen Dollar nicht annähernd an die klassischen Buchverkäufe heran, jedoch versprechen zahlreiche neue E-Book-Reader- etwa der
"Daily Edition" von Sony oder der
Kindle von Amazon - wachsende Umsätze sowie mehr Alltagstauglichkeit.
Absatzschwäche im klassischen Buchhandel
Das Schweizer Unternehmen RapidShare ist im Visier der US-Verlage.
Screenshot: onlinekosten.de
Und neue Leser - besonders unter den jüngeren Altersgruppen. Seit Jahren befindet sich die US-Buchbranche bereits im Abwärtstrend. So wurden nach Schätzung des Verbandes allein 2008 rund 13 Prozent weniger Bücher verkauft als noch 2007. In diesem Jahr scheint der Absatz weiter zu fallen: Im Juli lagen die Verkaufszahlen 15,5 Prozent unter den Vergleichswerten im Vorjahr.
Das E-Book wird damit für die Verlagsindustrie in den USA ein unverzichtbarer Rettungsanker in der Krise. Wer den angestrebten Erfolg gefährdet, ist auch schnell ausgemacht. Filesharing-Portale wie RapidShare, Megaupload oder Hotfile gelten als Hort der Online-Piraterie und notorisch urheberrechtsfreier Raum.