Aus Sicht der Finanzabteilungen großer und kleiner Medienhäuser hat das
Internet einen entscheidenden Geburtsfehler: Alle bereitgestellten Informationen sind faktisch kostenlos abrufbar. Gleichzeitig kämpfen die klassischen Printmedien mit erheblichen Umsatzeinbußen und sinkenden Werbeeinnahmen. Der
Online-Werbemarkt wiederum kommt nur langsam in Fahrt. Was also tun? Die
Einführung von Bezahlangeboten im Web scheint vielen Medienunternehmern eine gute Lösung. Auch Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan sieht darin die Zukunft der Netzkultur.
Innovation und Exklusivität
Um digitale Vertriebsmodelle möglichst schnell und profitabel einzuführen, müssten allerdings neue Voraussetzungen im Internet geschaffen werden, sagte Evsan gegenüber dem "Handelsblatt". Besonders wichtig: Exklusive Inhalte, die für viele Nutzer unverzichtbar geworden sind. "Es geht nur über neue, innovative Services. Wenn Twitter oder Facebook für jede Mitgliedschaft drei Euro nehmen würden, gäbe es mit Sicherheit genug Leute, die das bezahlen würden. Und Exklusivität zieht, so wie Sevenload das mit den Kanälen für Big Brother und World Wrestling Entertainment (WWE) macht", so der Online-Pionier.
"Ich zahle gern" - wenn der Nutzen stimmt
Der Nutzer will auch keine Werbung sehen: Anteil der Deutschen, die Werbung im jeweiligen Medium als störend empfinden (in Prozent).
Grafik: BDZV
Aber auch die Mentalität der Menschen bedürfe einer grundsätzlichen Änderung. Es gehe darum, sie "schnell umzuerziehen" und ein neues Bewusstsein für qualitativ hochwertige Bezahlinhalte zu schaffen, wie es bereits bei Xing und Apple gelungen sei. "Ich zahle gern für Xing, denn ich habe einen großen Nutzen davon. Auch das iPhone beweist, dass es geht: eine Milliarde Anwendungen, von denen über 30 Prozent bezahlt sind", sagte Evsan. Diese optimitische Sicht teilen jedoch nicht alle Branchenvertreter - mit Recht. Denn viele der bisherigen Versuche, eine neue Bezahl-Kultur im Web zu etablieren, waren nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Sobald ein ehemals kostenloses Angebot gebührenpflichtig wurde,
gingen die Nutzerzahlen stets zurück.
Die einzige Ausnahme bilden bestimmte Premiuminhalte, die anderswo in gleicher Art und Weise nicht erhältlich sind. Klassische Zeitungsmeldungen hingegen sind
nach Ansicht von Experten kaum als Paid Content geeignet. Dagegen spricht vor allem die hohe Anzahl kostenfreier Konkurrenzangebote die sich etwa
via Google News in Sekundenschnelle finden lassen.
Bezahl-Inhalte werden für die Verlage unverzichtbar
Trotz aller Schwierigkeiten: Zukünftig werden zunehmend mehr Verlage darauf angewiesen sein, Online-Inhalte gegen Gebühr zu verkaufen. Die sinkenden Auflagenzahlen der Printmedien sind seit Jahren unübersehbare Indikatoren für den Trend zum Web - insbesondere unter jungen Lesern. Mehr Mut bei Paid Content in der Medienbranche forderte deshalb Anfang September auch der Axel-Springer-Manager Andreas Wiele und plädierte für einen tiefgreifenden Wandel innerhalb des nächsten Jahrzehnts.
Der Axel-Springer-Verlag will dabei
verstärkt auf Inhalte für Handy und
mobiles Internet setzen - und ist
keineswegs allein. Ein ähnliches Angebot hatte kürzlich ebenfalls
der US-Nachrichtensender CNN für das iPhone gestartet und könnte so vormachen, wie sich Nachrichten gewinnbringend vermarkten lassen. Das Ende der Gratis-Kultur im Netz ist damit vielleicht bald Realität.