Stellen Sie sich vor: Sie verschicken eine Bewerbung an ein Unternehmen und bekommen nach einigen Wochen eine Absage. Soweit ist dies nicht besonders ungewöhnlich. Was wäre jedoch, wenn ihre vollständige Bewerbungsmappe wenige Monate später bei
eBay wieder auftaucht - mit Foto, Adressdaten, allen persönlichen Unterlagen und Zeugnissen? Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" (FR) ist genau das mit den Daten von mindestens 500 Bewerbern passiert.
Fragwürdige Geschäfte
Am 16. Juli ersteigerte ein Schreibwarenhändler aus Paderborn 500 - angeblich leere - Bewerbungsmappen und wunderte sich nach Öffnen des Paketes über den brisanten Inhalt. Anschließend übergab er die Kiste an die FR. Seinen Anfang nahm der Datenskandal mehrere Monate vorher in der Solmsstraße 18 in Frankfurt, dem ehemaligen Firmensitz der CSS-Marketing GmbH. Deren Geschäftsführer Julius Leineweber schaltete im
Internet mehrere Stellenanzeigen für insgesamt 46 Vollzeit-Jobs in Festanstellung mit gutem Verdienst und europaweiter Ausrichtung. In den Annoncen gab er seine Firma als Vertriebspartner der
Telekom aus und suchte angeblich Mitarbeiter für die Telekommunikationsabteilung.
So warb die CSS-Marketing GmbH auf ihrer Homepage um Arbeitskräfte.
Screenshot: onlinekosten.de
Nichts davon entsprach offenbar der Realität. Weder war die CSS-Marketing GmbH jemals ein Partner der Telekom noch scheint es die offenen Stellen in dieser Form gegeben zu haben. Dennoch wurden sogar Vorstellungsgespräche mit den Arbeitssuchenden geführt. Laut FR ging es darin um Verkaufsjobs, bei dem die Bewerber Telekom-Verträge in Drückermanier verkaufen sollten. Nach Aussagen von Betroffenen vermittelte Leineweber bei den Treffen durch seine vollmundigen Versprechungen einen unseriösen Eindruck. Dieser scheint sich nun zu bestätigen, denn der umtriebige Geschäftsführer der CSS-Marketing GmbH ist vorerst untergetaucht.
Strafe bis zu 300.000 Euro droht
Noch sind nicht alle Zusammenhänge restlos bekannt. So hat Leineweber nach FR-Recherchen die Unterlagen nicht selbst bei eBay eingestellt, sondern ein junger Fachoberschüler aus Frankfurt. Wie dieser an die Mappen gelangt ist, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Für den Datenschutzbeauftragten Schleswig-Holsteins, Thilo Weichert, spielt es jedoch nur eine untergeordnete Rolle, wer die eBay-Auktion letztlich gestartet hat. Die Verantwortung für Datensicherheit im Geschäftsbereich liege immer bei der Unternehmensleitung, so Weichert gegenüber der FR. Sollte es zu einem Verfahren kommen, droht Leineweber daher eine Strafe von bis zu 300.000 Euro.