Im Straßenverkehr legen die meisten Autofahrer einen Gurt an, um im Notfall vor Gefahren geschützt zu sein. Das Sicherheitsbewusstsein auf der weltweiten Datenautobahn ist hingegen oftmals weniger stark ausgeprägt - zu abstrakt scheint die Gefahr aus dem
Internet. So geben Nutzer etwa unbedarft persönliche Daten preis, erachten
Virenscanner als überflüssiges Beiwerk oder verstehen die Installation von Updates als sinnfreie Beschäftigungstherapie. Es verwundert daher wenig, dass die IT-Sicherheitslage in Deutschland auch im zweiten Quartalsbericht des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit erhöhtem Bedrohungsrisiko bewertet wird.
Conficker-Wurm in Ausbreitung
"Insbesondere die fortschreitende Ausbreitung des
Conficker-Wurms beeinflusst die Lage der IT-Sicherheit", so Stefan Ritter, Leiter des Nationalen IT-Lagezentrums im BSI. Seit Juni 2009 sei ein erheblicher Anstieg an Neuinfektionen beobachtet worden. Hinzu käme die Verbreitung des Koobface-Wurm, der Nutzer
sozialer Netzwerke wie Facebook und MySpace zum Download von Schadsoftware animiere. Auch Online-Kriminelle sind weiterhin auf dem Vormarsch und erschrecken unerfahrene Computerbesitzer beispielsweise mittels gefälschter Antiviren-Software. Diese gaukelt entweder eine Infektion des Rechners vor oder lädt selbst Schadsoftware herunter, um sie später kostenpflichtig zu entfernen. Darüber hinaus sorgt auch eine zunehmende Zahl manipulierter PDF-Dateien für die Verschärfung der Situation.
Gefälsche Antivirenprogramme melden dem Nutzer nicht existente Schadsoftware um abzukassieren.
Bild: BSI-Quartalslagebericht Q2/09.
Kriminelle Professionalisierung schreitet voran
Wie wichtig etwa regelmäßige Updates von
Betriebssystem, Virenscanner sowie eingesetzter Internetsoftware sind, zeigte ebenfalls die Entdeckung eines riesigen Botnetzes im April 2009. Über 76.000 deutsche Privat- und Firmen-
PCs waren Teil des ferngesteuerten Computerverbundes, der weltweit aus über 1,9 Millionen Rechnern bestand und unter anderem gezielte Angriffe gegen Regierungsstellen in den USA sowie Großbritannien ausführte.
Laut BSI nimmt die Professionalisierung der Internetkriminalität damit auch im zweiten Quartal weiter zu. Schadprogramme würden immer ausgefeilter und effektiver, Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Anwendungen immer schneller ausgenutzt. Andererseits sei auch das Bewusstsein der Anwender für IT-Sicherheit gestiegen. So würden Betriebssystem-Updates im Vergleich zu früheren Quartalen häufiger durchgeführt und IT-Sicherheitstechniken konsequenter angewendet.
Der komplette Lagebericht zum zweiten Quartal 2009 ist unter
bsi.bund.de abrufbar.