Die Zeitungsverleger müssen nach Experten-Ansicht ihre Aktivitäten vom Printbereich stärker zu
Internet-Produkten verlagern. "Nur die, die sich am schnellsten an den Wandel anpassen, werden überleben. Das ist jetzt eine Zeit voller Chancen", sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende des norwegischen Medienhauses Schibsted, Kjell Aamot, beim Kongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag in Fulda. Schibsted gilt in Fachkreisen als eines der modernsten Medienunternehmen Europas. Das 1837 gegründete Zeitungshaus macht eigenen Angaben zufolge mittlerweile 70 Prozent seines Gewinnes mit Onlinediensten und ist weltweit in 22 Ländern vertreten.
Internet-Konzepte erfordern langen Atem
Aamot sagte, man müsse den Mut haben, Internet-Strategien durchzuziehen und einen langen Atem haben - auch wenn zunächst über ein paar Jahre hinweg rote Zahlen drohten. Schibsted habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Leser der Print-Produkte auch für Internetseiten des Konzerns zu begeistern. "Vernetzung ist der Schlüssel zum Erfolg", meinte Aamot, der bis vor kurzem zwei Jahrzehnte lang an der Unternehmensspitze stand. Vor allem mit Kleinanzeigen und Service sei man sehr erfolgreich.
Kaum Profit durch Zeitungsinhalte im Web
Aamot geht nicht davon aus, dass für klassische Zeitungsinhalte wie Nachrichten im Web ein Profit abfällt: "Ich glaube nicht, dass man damit Geld machen kann." Da vertrete er eine andere Auffassung als der amerikanische Großverleger
Rupert Murdoch, der alle Nachrichtenangebote des Konzerns kostenpflichtig machen will.
Schibsted sorgte Ende 1999 in der Medienbranche für Wirbel, als das Unternehmen die Gratiszeitung "20 Minuten Köln" auf den Markt brachte. Das Projekt scheiterte jedoch. Aamot prognostizierte: "Irgendeiner wird es noch mal probieren." In Spanien und Frankreich fährt Schibsted damit besser und hat Millionen Leser.
Wirtschaftskrise belastet deutsche Zeitungsverlage
Die deutschen Zeitungsverlage sind von der Finanz- und Wirtschaftskrise stark belastet. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist das Anzeigenvolumen laut BDZV im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwölf Prozent zurückgegangen. Auch die Auflage ging im ersten Quartal 2009 um 2,1 Prozent von 25,9 Millionen auf 25,35 Millionen Exemplare zurück, wie der Verband vor einigen Wochen mitgeteilt hatte.