Das
Internet verhilft der kriminellen Schattenwirtschaft zu einem Boom. Abseits der regulären Wirtschaft floriert im Untergrund der Handel mit gestohlenen Datenbanken, Kreditkartendaten, gefälschten Dokumenten oder
Spam-Attacken. Experten des Sicherheitsspezialisten G Data klinkten sich über mehrere Monate in illegale Handelsplattformen und Diskussionsforen ein. Die Ergebnisse präsentieren sie in der Studie
Underground Economy.
Gut organisierte, anonyme Szene
In der Untergrundwirtschaft gebe es weit verzweigte Netzwerke, in denen Produzenten mit geschickten Marketingstrategien die "heiße" Ware anböten. "Bei unseren Recherchen sind wir tief in die Strukturen der organisierten Online-Kriminalität eingedrungen. Die Szene ist über den gesamten Globus verteilt, gut organisiert und absolut anonym", so Ralf Benzmüller, Leiter der G Data Security Labs.
Dabei werde stets auf den maximalen Profit hingearbeitet. Wie in der offiziellen Ökonomie regele auch hier Angebot und Nachfrage den Markt. Auf spezialisierten Handelsplattformen werde etwa nur mit gestohlenen Kreditkarteninformationen gehandelt. Der Servicegedanke werde groß geschrieben: Gestohlene Daten würden auf Wunsch gleich auf gefälschte Kreditkartenrohlinge übertragen.
DDos-Attacke für 50 Euro pro Tag
Erhältlich sei auf dem Schwarzmarkt nahezu alles. So lassen sich Rechner-Infektionen buchen und Botnetze mieten. Soll mal eben eine Cyber-Attacke auf ein Konkurrenzunternehmen durchgeführt werden, ist auch diese nur wenige Mausklicks entfernt. Käufer solcher
Dienstleistungen profitieren dabei von günstigen Preisen, die Konkurrenz der Kriminellen ist groß. Einen DDos-Angriff auf Webserver gebe es schon für 50 Euro pro Tag. Datenbanken mit persönlichen Daten seien laut G Data zu Preisen zwischen zehn und 250 Euro erhältlich.

Frisch aus der Datenbank: Sortierte persönliche Daten. Ein Angebot von vielen im Netz. Zum Vergrößern anklicken. Screenshot: G Data
Die Preisspanne für Kreditkartendaten liege zwischen zwei und 300 Euro. Die Zugangsdaten zu einem PayPal-Account werden zum Schnäppchenpreis schon ab einem Euro angeboten. Die Schwarzmarktprodukte seien nicht selten über eigene Online-Shops bestellbar. Dort lockten dann auch Sonderangebote und Rabatte. Werbebanner machen im weltweiten Netz auf die Angebote aufmerksam. Neulinge erhielten einen schnellen Einblick in die Schattenwirtschaft durch Anfängerforen, detaillierte Anleitungen oder Video-Tutorials.
Instant Messaging Dienste wie
ICQ, MSN & Co. dienen zur direkten Kommunikation zwischen Händlern und Käufern. Über den Internet Relay Chat (IRC) ließen sich etwa gleich mehrere tausend Nutzer in einem einzigen Chatraum versammeln.