Ein Jahr warten ist genug. Das finden die 55 bespitzelten Arbeitnehmervertreter der
Telekom-Affäre – und ihre Anwälte auch. Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin haben "Focus" zufolge die Staatsanwaltschaft Bonn aufgefordert, den Betroffenen Einblick in die Akten zu gewähren.
Vereitelte Gegenseite die Aktenseinsicht?
In einem Brief an Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel bezeichneten die Anwälte es als "unerträglich", dass sich das Verfahren so lange hinzieht. Die Behörde wäscht ihre Hände in Unschuld: Man sei dazu bereit gewesen, die Akteneinsicht zu gewähren. Die Verteidigung der Gegnerseite habe es verhindert.
Wie im vergangenen Jahr bekannt wurde, sammelte und überprüfte die Deutsche Telekom
über ein Jahr lang Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten und Managern, um undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufzuspüren. Ein Journalist hatte 2005 interne Planungsdaten veröffentlicht – es galt, die Quelle zu finden.
Die mutmaßliche Bespitzelung zog immer weitere Kreise und umfasste schließlich sowohl Verdi-Chef Frank Bsirske als auch mindestens 22 Betriebsräte sowie ihre Mitarbeiter. Ermittelt wird gegen acht Beschuldigte, darunter der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke und der damalige Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel.
Dorothee Monreal