Eine neue Handlung, nagelneue Waffen oder noch stärkere Gegner: Immer öfter werden
PC- und
Konsolenspiele mit Neuerungen aufgepeppt. Als x-te Fortsetzung landen sie dann in den Verkaufsregalen. Die Fans freut es: "Man weiß einfach vorher schon so ungefähr, was einen erwartet", sagt Markus aus Leverkusen. Der 25-Jährige steht wie viele andere Fans auf der Kölner Spielemesse
Gamescom in einer langen Schlange. Alle wollen wissen, was sie im inzwischen sechsten Teil der "Call of Duty"-Serie erwartet.
Knallharte Markenstrategie
Rund 150 Premieren hatten die Veranstalter von Europas größter
Computer- und Videospielemesse angekündigt. Ein Blick auf die Liste der Neuheiten verrät: Etwa die Hälfte der Titel ist aufgewärmt. Das Prügelspiel "Tekken" geht beispielsweise in die sechste Runde. Das Rollenspiel "Final Fantasy", das erstmals im Jahr 1987 in Japan erschien, wird im kommenden Jahr mit Teil 14 fortgesetzt.
"Dahinter steckt eine knallharte Markenstrategie", sagt Carsten Lehmann von Ubisoft. "Die Marken werden aufgebaut und gepflegt." Dabei geht es dem Düsseldorfer Publisher ("Die Siedler") aber nicht darum, den Markt mit immer mehr Fortsetzungen zu überfluten: "Man kann eine Marke auch kaputt machen, wenn jedes Jahr etwas Neues kommt", sagt Lehmann. Wichtiger sei die Verknüpfung mit anderen Medien. So wurden zum Action-Abenteuer "Assassins Creed" Kurzfilme gedreht.
Großer Andrang bei bekannten Spielen
Bei Electronic Arts (EA) geht ohne Fortsetzungen nichts: Zumindest bei den Sportspielen wie "FIFA" (Fußball) oder "NHL" (Eishockey) sind regelmäßige Neuerungen Pflicht. Neue Rennstrecken und aufgemotzte Autos sollen den Fans von "Need for Speed" mehr Fahrspaß bereiten. "Wir machen überhaupt nur Dinge, die die Leute haben wollen", sagt EA-Sprecher Martin Lorber. So können "Die Sims" im dritten Teil der Alltagssimulation endlich ihre Nachbarn besuchen.
"Ich habe schon Spiele gekauft, weil mir die Bilder und die Inhaltsbeschreibung auf der Verpackung gefallen haben", erzählt Spiele-Fan Markus. "Und ich habe das auch schon bereut." Immer noch in der Warteschlange stehend sagt er: "Dann lieber eine gut gemachte Fortsetzung mit neuen Maps oder so." Das Bild in den Messehallen zeigt, dass andere Fans dies ähnlich sehen: In Scharen tummeln sich die Besucher an den Ständen bekannter Titel, während sich bei einigen wirklich neuen Spielen der Andrang eher in Grenzen hält.
2,7 Milliarden Euro Umsatz
Die Industrie freut sich mit den treuen Fans: Der Branchenverband BITKOM schätzt, dass der
Verkauf von Spielen und Konsolen der Industrie in diesem Jahr insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro in die Kasse spülen wird - etwa ein Prozent mehr als 2008. Dazu werden auch die Fortsetzungen beitragen - für die der Käufer meist ebenso tief in die Tasche greifen muss wie für ein brandneues Spiel.