Die Axel Springer AG sagt der Kostenlos-Kultur im
Internet den Kampf an: Der Medienkonzern erklärte am Freitag, seine Leser
für digitale Inhalte künftig zur Kasse zu bitten - zunächst in Angeboten für Multimedia-
Handys, später auch auf den Portalen seiner Zeitungen wie "Bild" und "Welt". "Es wäre fahrlässig, das nicht zu probieren", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Damit heizt der Medienkonzern erneut eine Debatte über Bezahlinhalte im Web an - Ausgang unbekannt.
Digitale Avantgarde zahlt
Der Medienmogul
Rupert Murdoch war vergangene Woche vorgeprescht, nun legt eines der größten deutschen Medienhäuser nach. Im ersten Schritt will Springer an die Smartphone-Nutzer ran. Sie sollen für Apps - kleine Multimedia-Anwendungen - ihr Portmonnaie öffnen. Döpfner geht von einer hohen Zahlungsbereitschaft dieser digitalen Avantgarde aus. Für seine Regional-Zeitungen arbeite Springer zudem an einem sogenannten Freemium-Modell: Der Klick auf normale Artikel ist dabei umsonst, für Exklusiv-Geschichten, Premium-Inhalte und Archiv-Zugriffe soll der Leser kleine Summen berappen.
"Die Leser haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie bereit sind, für wirklich attraktive Inhalte Geld zu bezahlen", sagt Döpfner. "Warum soll das in der digitalen Welt plötzlich anders sein?" Werbung sieht er als erste Säule der Finanzierung, Bezahlinhalte als zweite. Allerdings haben schon etliche Medien versucht, ihrer Lesergemeinde den Gratisglauben auszutreiben und für Exklusiv-Inhalte eine Artikel-Maut zu erheben. Meist ohne Erfolg.
Werbeumsätze zu gering
Der neue Versuch zeugt davon, dass die Verlage bislang noch keine Formel für finanziell erfolgreichen Online-Journalismus gefunden haben. Erst die Kirche vollmachen, dann den Klingelbeutel herumgehen lassen - lange hoffte die Branche darauf, nach diesem Bonmot des Verlegers Hubert Burda seine Geschäfte im Internet per Werbung zu finanzieren. Doch die Erwartungen waren zu hoch gesteckt: Eben jener Unternehmer klagt mittlerweile, dieses Modell werfe nur "lausige Pennies" ab. Dicke Umsätze, so scheint es, machen nur Reichweiten- Riesen wie AOL - und der Suchmaschinen-Gigant Google.