Der Verleger der "New York Daily News", Mortimer Zuckerman, glaubt, den Stein der Weisen zur Rettung der US-Zeitungen gefunden zu haben: Der Kongress soll den Verlagen erlauben, ihre
Internetseiten als Kasinos - mit Glücksspielen und Wetten online - zu nutzen. "Das würde jede Zeitung in Amerika retten", sagte Zuckerman der Zeitschrift "Forbes". Kasinos seien schon für darbende Indianer-Reservate die ökonomische Rettung gewesen.
Zeitungen in der Krise
Die Idee belegt die Verzweiflung der US-Verleger. Nach Jahrzehnten satter Profite müssen sie angesichts sinkender Auflagen und Anzeigenerlöse sowie wachsender
Internet-Konkurrenz neue Geschäftsmodelle finden. Die Hoffnung, mit Werbegeldern aus dem Web die Verluste der Druckausgaben ausgleichen, ist bisher enttäuscht worden. Wer zehn Prozent seiner Einnahmen online erzielt, gilt schon als erfolgreich. Der Markt ist zwar da: Die Nachfrage, die Neugier der Menschen nach Informationen hat nicht nachgelassen - nur zahlen will dafür kaum jemand.
Die
Gratiskultur im Internet, wo ungeniert abgeschrieben und geklaut werden kann, gilt als Hauptschuldige. Zwar sind in den USA neue Medien wie "Huffington Post" oder "Drudge" erfolgreich - aber ohne das Material der oft verhöhnten "alten" Medien wären sie nach Ansicht mancher Experten ziemlich aufgeschmissen. "Der Parasit tötet das Wirtstier", warnte drastisch der Medienexperte David Simon bei einer Anhörung im US-Senat vor der Ausbeutung der traditionellen Medien durch "neue" Rivalen. Denn obwohl zuweilen als aussterbende Gattung verspottet, sind es auch laut Studien oft weiterhin die klassischen Medien wie Nachrichtenagenturen, Zeitungen oder Fernsehen, die das Weltgeschehen aufzeichnen, gewichten und erklären - mögen sich der Kurznachrichtendienst
Twitter oder Blogger noch so sehr in ihrer neuen Bedeutung sonnen.
Zeitung eingestampft, online durchgestartet
Inzwischen gibt es ein ganzes Bündel neuer Ideen, mit denen die Zeitungsbranche - abgesehen von drastischen Sparmaßnahmen - ihr Heil zu finden sucht. Manche setzen auf neue Bezahlmodelle oder neue Elektronik, anderen hoffen auf Sponsoren oder den Staat. Die Krise zwingt alle zum Umdenken. In Florida kooperieren bisher konkurrierende Zeitungen und versuchen, damit Kosten zu sparen. In Ann Arbour (Michigan) gaben die "Ann Arbour News" die tägliche Druckausgabe auf, um im Internet zu überleben - ähnlich machte es der "Christian Science Monitor" (Boston, Massachusetts).
Die meisten Hoffnungen ruhen auf dem Web, wo der Erfolg kaum Schritt hält mit den Erlösen. Viel erwägen nun mit "Mikro-Payments" - also Kleinstgebühren für einzelne Beiträge oder Videos - die Einnahmen zu erhöhen. Das neue Zauberwort der US-Branche heißt "Freemium" und bedeutet eine Mischung aus einem reichhaltigen kostenlosen Angebot und einem kleinen Teil hochwertigen "Premium-Materials", das bestimmte Zielgruppen im Auge hat - und das was kostet.