Mittwoch, 15.07.2009 18:17

Datenschutz: Druck auf Netzwerke steigt

aus dem Bereich Sonstiges
Der Druck auf soziale Netzwerke im Internet zu mehr Datenschutz steigt. Nach der Verbraucherzentrale forderte auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar am Mittwoch die Anbieter zum Schließen von Schutzlücken auf. Das Karriere-Portal Xing kündigte Sofortmaßnahmen an.

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Konsequenzen unterschätzt

Datenmissbrauch gehört laut Schaar zum Alltag im Internet. "Ich gehe davon aus, dass Fremde in einer Vielzahl von Fällen gezielt persönliche Informationen über Privatleute suchen", sagte Schaar der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Die Sensibilität sei zwar gewachsen. "Viele Nutzer machten sich aber nach wie vor keine vertieften Gedanken über mögliche negative Konsequenzen." Unter anderem wird immer wieder darüber berichtet, dass Arbeitgeber nach Privatfotos oder -äußerungen von Bewerbern oder Mitarbeitern suchten.

Am Dienstag hatten die Verbraucherzentralen mehrere soziale Netzwerke wegen Datenschutzmängeln abgemahnt: Die Plattformen Facebook, Lokalisten, MySpace, Wer-kennt-wen und Xing benachteiligten ihre Nutzer, hieß es. Die Anbieter müssten sicherstellen, dass Daten nur verwendet werden, wenn die Nutzer auch einwilligen.

Xing setzt Änderungsvorschläge um

Xing Logo
Das Karriere-Portal Xing kündigte am Mittwoch rasche Veränderungen an. So würden Forenbeiträge von Ex-Mitgliedern gelöscht, sagte Xing-Sprecher Thorsten Vespermann am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. "Wir unterstützen alle Änderungsvorschläge", sagte der Vorstandschef der Xing AG, Stefan Groß-Selbeck, in Hamburg. Die Allgemeinen Geschäftsbedingen würden umgehend bei den Punkten aktualisiert, die aus Sicht der Verbraucherzentrale eine Verbesserung darstellten. "Dafür sind nur kleinere Anpassungen notwendig." Das Unternehmen betonte, die Kundendaten lägen schon heute getrennt vom Firmensitz verteilt auf mehreren Servern. Xing sei darüber hinaus voll verschlüsselt. Mitglieder hätten stets die Kontrolle über ihre Daten und Privatsphäre.

Schaar zufolge sind einige der im April 2008 aufgestellten Forderungen der obersten Aufsichtsbehörden für mehr Datensicherheit noch nicht ausreichend umgesetzt worden. So mangelt es seiner Ansicht nach an verständlicher Aufklärung über die Nutzung personenbezogener Daten. Auch der gesetzlichen Pflicht, eine anonyme Teilnahme am Netzwerk zu erlauben, kämen manche Anbieter zu wenig nach. Faktisch sei das den Nutzern zwar möglich. "Man wundert sich jedoch, weshalb dieselben Anbieter dies in ihren Geschäftsbedingungen ausschließen."

Einstellungen noch zu kompliziert

Schaar lobte Verbesserungen bei den individuellen Möglichkeiten, Datenschutz-Einstellungen vorzunehmen. "Aber oft ist das noch zu kompliziert", sagte er. "Hier gibt es Verbesserungsbedarf." Viele Nutzer dürften sich auch fürchten, ihre Datenschutz-Einstellungen zu verschärfen aus Angst, dass der Zugang dann nicht mehr funktioniert. Auch bei der Umsetzung der Anforderung, dass die Nutzer ihre Profile selbst löschen können, seien Fragezeichen angebracht.

Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast schloss sich den Forderungen an. "Das Recht an den eigenen Daten muss auch an den Pforten der sozialen Netzwerke Bestand haben", sagte Künast der dpa. "Die Datensicherheit der Nutzer darf nicht in den unendlichen Weiten des Kleingedruckten verschwinden."
Michael Posdziech / dpa
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