Sie soll für die
Telekom so etwas wie ein Zugpferd für
VDSL sein: die Fußball Bundesliga. Für geschätzte 35 Millionen Euro pro Jahr darf Deutschlands führender Telekommunikationskonzern die Live-Spiele der beiden höchsten deutschen Fußball-Spielklassen auf Basis des neuartigen
Internet-Fernsehens zeigen. Und um möglichst vielen Kunden die Übertragungen schmackhaft zu machen, wird munter weiter investiert: in ein
Full-HD-Sendestudio und eine ganze Reihe von Star-Moderatoren und -Kommentatoren. Johannes B. Kerner, Oliver Welke und Frank Buschmann sind nur einige der Kandidaten, die ab dem 7. August bei
Liga Total auf Sendung gehen. Doch nach Informationen des "Handelsblatts" ist das Fußball-Abo bisher eher ein teures Experiment als ein lukratives Geschäft.
Bundesliga bisher kein Renner
Die Zeitung will erfahren haben, dass die Telekom bisher erst 30.000
Entertain-Kunden dazu bewegen konnte, ein Bundesliga-Abo abzuschließen. Das kostet ab der kommenden Saison
im Normalfall 14,95 Euro, wer alle Spiele in
HD-Qualität sehen will, muss sogar 19,95 Euro zahlen - plus VDSL-Aufschlag. Insgesamt nutzen nach Branchenangaben zwischen 600.000 und 700.000 Kunden ein IPTV-Produkt von T-Home. Bis zum Jahresende will die Mannschaft um Konzernchef René Obermann eine Million TV-Kunden ausweisen. Wie viele davon dann ein Bundesliga-Abo nutzen sollen, wurde bisher nicht kommuniziert. Derzeit erhalten Liga-Total-Neukunden bei Abschluss eines Jahres-Abos
drei Monate geschenkt.
Um die Bundesliga-Kundenzahl zu erhöhen, hat die Telekom nicht nur namhafte Kommentatoren für sich gewinnen (und zum Teil von Sky abwerben) können, sondern ist auch mit einer aggressiven Werbekampagne für Liga Total auf Kundenfang gegangen. Auch, um bisherige Sky-Kunden (
ehemals Premiere) für sich zu gewinnen. Darüber hinaus wurde nach der vergangenen Saison ein Produktions-Vereinbarung mit Sky nicht verlängert und stattdessen ein eigenständiges TV-Angebot in
Zusammenarbeit mit dem DSF entwickelt. Für Sky bedeutet das Einnahmeausfälle von rund 20 Millionen Euro, heißt es in Branchenkreisen.
Harter Konkurrenzkampf
Das alles scheint bei Sky für reichlich Unmut zu sorgen. Der Pay-TV-Sender hat nach Insider-Angaben überraschend die mit der Telekom ausgehandelten Einspeiseverträge gekündigt. Das hat zur Folge, dass T-Home-Kunden keine Inhalte der neuen Sky-Pakete über ihren IPTV-Anschluss mehr empfangen können. Ursprünglich liefen die Verträge nach Angaben des "Handelsblatts" bis 2011. Schon das allein zeigt, dass aus zwei ehemaligen Partnern erbitterte Konkurrenten geworden sind und hinter den Kulissen mit harten Bandagen um jeden Kunden gekämpft wird - mit welchen Mitteln auch immer.