Dass von der Leyen ähnlich wie mit den Internetsperren erneut mit einer begeisterten Internet-Szene anecken kann, die jeden staatlichen Eingriff ins Netz ablehnt, nimmt sie in Kauf. Bei den Schülern populäre Netzwerke, wie schuelerVZ haben die Abschlusserklärung nicht mitgezeichnet. Doch gerade solche sozialen Netzwerke sollten ein Eigeninteresse an mehr Sicherheit haben, wirbt die Ministerin um Unterstützung.
13 Gebote im schuelerVZ
Von der Leyen: "Kinder sind oft sorglos. Sie ahnen nicht, wie das missbraucht werden kann, was sie voller Vertrauen ins Netz stellen." Bei schuelerVZ setzt man bisher auf einen eigenen Verhaltenskodex mit 13 Geboten, den jeder Neuanmelder zunächst akzeptieren muss.
Europol-Direktor Rob Wainwright setzt im Kampf gegen Kindesmissbrauch und auch gegen Kinderpornografie im
Internet vor allem auf einer besseren internationalen Informationsaustausch. Allerdings gibt es immer noch in 95 der weltweit knapp 200 Staaten keine gesetzlichen Verbote von Kinderpornografie. Nach Deutschland will auch künftig Frankreich Sperrseiten einführen, wenn Internetnutzer Seiten mit kinderpornografischen Inhalt anwählen. Insgesamt verfügen dann 14 Staaten über Sperrmaßnahmen, darunter die skandinavischen Länder, Belgien, Italien und Großbritannien.
Mehr Zusammenarbeit gefordert
Kinderschutzorganisationen, wie Unicef, Save the Children und Innocence in danger verlangten in Berlin eine bessere internationale Zusammenarbeit zur einheitlichen Strafbewehrung und zur Strafverfolgung. Auch müsse die Opferidentifizierung und ihre Nachbetreuung verbessert werden. Kathrin Wieland von Save the Children Deutschland nannte dazu Zahlen. Danach sind bei Interpol inzwischen weltweit eine Millionen Bilder mit vergewaltigten oder misshandelten Kindern gespeichert. Von den rund 50.000 Opfern seien aber erst 900 identifiziert.
Hayo Lücke
/ dpa