Musik- und Filmindustrie pochen auf die Einhaltung des Urheberrechtsschutzes im
Internet. In dieser Woche etwa
verlor Rapdishare gegen die GEMA vor Gericht. Doch das Aufspüren von illegal zum Download bereitgestellten Dateien im globalen Netz ist sehr aufwändig. Die CoSee GmbH, ein aus dem Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt hervorgegangenes Spin-Off, hat für die Suche nach Dateien, die mit einem
digitalen Wasserzeichen markiert sind, einen automatisierten Suchdienst entwickelt.
Wasserzeichen kaum entfernbar
Als Grundlage dient die am Fraunhofer Institut entwickelte Suchtechnologie
MediaSearch Framework. CoSee hat die Suche lizenziert, weiterentwickelt und spürt im Kundenauftrag illegal verbreitete Dateien auf. Hörbücher, Videos, Musikdateien oder e-Books können alle mit digitalen Wasserzeichen versehen werden. Der Vorteil: dieser passive Schutz lässt sich ohne Zerstörung oder Qualitätsminderung der Datei kaum wieder entfernen. Für den Benutzer sind die sogenannten Container-Wasserzeichen unsichtbar beziehungsweise bei Audiodateien nicht hörbar.
Bei der Suche nach den digitalen Wasserzeichen auf Tauschbörsen oder Internetplattformen wie YouTube ahmt das Framework-System die menschliche Herangehensweise nach. Mit wechselnden IP-Adressen aus den Adressräumen normaler
Internetprovider erfolgt die Einwahl auf die Seiten. Gesucht wird dabei nicht nach exotischen Verstecken von illegalen Dateien, sondern nur nach Speicherorten, auf die auch viele Nutzer stoßen könnten.
Wasserzeichen sind flexibler als DRM-Systeme
Martin Steinebach, Wasserzeichen-Forscher und CoSee-Gesellschafter, sieht bestehende Systeme für das Digital Rights Management (DRM) kritisch. Diese binden Multimediadateien an bestimmte Endgeräte, die Technik sei zudem teuer, serviceaufwändig und kundenunfreundlich. Die digitalen Wasserzeichen sieht Steinbach als Alternative. Die Speicherung mit jedem beliebigen Gerät sei hier kein Problem. Nur wenn etwa online gekaufte und mit einem Wasserzeichen versehene Musikstücke an andere weitergegeben würden, kann der ursprüngliche Käufer Probleme bekommen, falls der Titel zum Beispiel in einer Tauschbörse landet. Denn die Spur führt durch die beim Kauf in das Wasserzeichen eingebetteten Kundendaten sehr schnell wieder zum Käufer zurück. Die Unternehmen, die bei CoSee die Suche in Auftrag geben, würden diese Kundendaten durch das System nun direkt erhalten. Der Umweg über den Staatsanwalt sei nicht mehr erforderlich. Was dann mit den ursprünglichen Käufern geschehe sei Sache der CoSee-Kunden. Denkbar wären Schadensersatzforderungen oder eine Strafanzeige.
Eine Erweiterung des Geschäftsmodells der Wasserzeichen-Suche ist für CoSee-Geschäftsführer Patrick Wolf denkbar. So könnten mit Wasserzeichen imprägnierte Bilder aus gewerblichen Online-Katalogen gefunden werden, die von anderen Nutzern im Netz illegal ohne Bezahlung weitergenutzt würden. Das System ermögliche aber auch die Untersuchung der Effizienz von viralem Marketing. Die Verbreitungswege von kostenlos verteilten Musikstücken könnten etwa preisgünstig nachvollzogen werden.