Sollten auch notleidende Zeitungen Staatshilfe bekommen? Diese Frage wurde am Montag zur Eröffnung des Branchentreffs Medienforum NRW in Köln heiß diskutiert. Der Philosoph Jürgen Habermas hatte gefordert, schlimmstenfalls müsse der Staat einspringen, um die Existenz bedeutender Zeitungen zu sichern, schließlich seien sie für die Meinungsbildung in einer Demokratie unverzichtbar. Auch einer der Hauptredner des Medienforums, Kenneth Plummer vom dänischen Rundfunk, warb dafür: "Ich glaube, dass Sie da nicht so päpstlich sein sollten!"
Betroffene haben (noch) kein Interesse an Staatshilfen
Die Betroffenen selbst winkten ab. Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), sprach sich ebenso dagegen aus wie Valdo Lehari jr., Präsident des Europäischen Zeitungsverlegerverbandes. Der Staat täte schon genug, wenn er nicht ständig neue Verbote etwa für die Werbung oder die Nutzung von Adressen erlassen würde, erklärten sie übereinstimmend. Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) lehnte Staatshilfen ab. Begründung: "Journalismus muss unabhängig bleiben."
"Medien in Bewegung" lautet das Motto dieses 21. Medienforums, eine schönere Formulierung für "Medien in der Krise". Alle kämpfen sie mit Problemen: Den Öffentlich-Rechtlichen brechen die Gebühren weg. Die Privatsender haben weniger Werbekunden. Und die Zeitungen werden dünner, weil Anzeigen fehlen. Doch bei den Zeitungen kommt noch etwas anderes hinzu: Immer mehr Leute, vor allem junge, informieren sich im
Internet, und dort herrscht eine Gratiskultur. Die Zeitungen können dort kaum Geld mit ihren Artikeln verdienen.