Die deutschen
Mobilfunk-Anbieter sind sich einig: sie wollen Verbindungsminuten aus dem Festnetz in die Handy-Netze ziehen, um neue Umsatzquellen zu erschließen. Der Durchbruch ist bisher nur in Ansätzen gelungen. Das liegt auch an den
Terminierungsentgelten, die hierzulande bei 6,59 Cent pro Minute in den D-Netzen und 7,14 Cent pro Minute in den E-Netzen liegen. Diese Preise werden fällig, wenn ein Gespräch vom Netz eines Netzbetreibers in das Netz eines anderen Anbieters überstellt wird und sind mindestens bis Ende November 2010 gültig.
Österreich senkt Terminierungsentgelt
Anders sieht es in Österreich aus. Der österreichische Regulierer hat festgelegt, dass das Termininierungsentgelt von aktuell 4,5 Cent pro Minute ab Juli alle sechs Monate um weitere 0,50 Cent abgesenkt wird. Zum 1. Juni 2011 soll das Entgelt schließlich einen Betrag von nur noch 2,01 Cent erreichen. Für die Netzbetreiber hat das zwar den Nachteil, dass sie sich untereinander geringere Gebühren berechnen dürfen, gleichzeitig wird aber aufgrund fallender Endkunden-Minutenpreise immer häufiger mit dem Handy telefoniert. Festnetzverbindungen verlieren im Gegenzug immer stärker an Bedeutung.
Laut Erhebungen von mobilkom austria (A1) lag der Anteil der Verbindungsminuten, die über die österreichischen Mobilfunknetze abgewickelt werden, Ende 2008 bei gut 75 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland werde im vergangenen Jahr nach Angaben der Bundesnetzagentur nur 35 Prozent des bundesweiten Gesprächsaufkommens über
Handys abgewickelt.
Mobiles Internet boomt
In Österreich hat das starke Mobilfunk-Interesse aber auch zu einem weiteren Effekt geführt. Das
mobile Internet boomt. Im April dieses Jahres entfielen 38 Prozent der Breitband-Anschlüsse auf Zugänge auf Basis von
UMTS und
HSDPA. Auf der Handelsblatt Jahrestagung "Telekommarkt Europa 2009" sagte mobilcom Generalmanager Erich Gnad, dass dabei auch eine Rolle spiele, dass Kunden Unterschiede bei der Qualität nur bedingt wahrnehmen. Jeder Zweite UMTS-Kunde sage, mobiles Internet sei gleich schnell wie ein klassischer
DSL- oder
Kabel-Anschluss.
Entscheidend für den Erfolg sind aber auch die Preise. Bei Hutchison 3G Austria wird ein Drei-Gigabyte-Volumenpaket beispielsweise für neun Euro monatlich angeboten, Orange bietet ein 15-Gigabyte-Paket für 20 Euro an. Wie in Deutschland erfolgt aber auch hier eine Drosselung der Downstream-Geschwindigkeit. Wer mehr als sechs Gigabyte pro Abrechnungszeitraum versurft, kann nur noch mit 128 Kilobit pro Sekunde das
Internet erkunden.