Eigentlich ist ein Perpetuum Mobile eine Konstruktion, die – ist sie erst einmal in Gang gesetzt – ewig in Bewegung bleibt und ohne Energiezufuhr von außen auskommt. Aber auch der finnische Handyhersteller
Nokia forscht buchstäblich an einem Perpetuum Mobile - "Mobile" steht im Englischen schließlich für
Handy. Das Prinzip ist dabei zwar ein grundsätzlich anderes, hat im Ergebnis aber den gleichen Effekt: Die verfügbare Energie soll faktisch unendlich sein.
Strahlen als Energiequelle
Grundlage der Technologie ist elektromagnetische Strahlung, die heutzutage überall in der Umgebung auftritt. Produziert wird sie etwa durch Mobilfunk-Basisstationen, Fernsehantennen oder WLAN-Transmitter. Die Elektrostrahlen könnten nach Vorstellungen von Nokia als Energiequelle dienen und genug Energie bereitstellen, um einen Handyakku aufzuladen. Wissenschaftler arbeiten bereits intensiv an einem Prototyp, der rund fünfzig Milliwatt Energie aus seiner Umwelt auffangen kann. Dies wäre immerhin genug Strom, um den Akku eines Handys zumindest langsam aufzuladen - vorausgesetzt das Telefon ist ausgeschaltet. Derzeitige Versuchsgeräte schaffen jedoch lediglich drei bis fünf Milliwatt.
Die technische Umsetzung basiert auf der Umwandlung elektromagnetischer Wellen in ein elektrisches Signal. Um den Wirkungsgrad weiter zu erhöhen, zielt Nokia auf eine Nutzung der Strahlung auf vielen verschiedenen Frequenzen - etwa von Signalen einer Bandbreite zwischen 500 Megahertz und zehn Gigahertz. Derzeit glaubt man an die Marktreife des ersten Handys mit dieser Technologie in drei bis vier Jahren. Zudem sollen weitere Ansätze alternativer Energiegewinnung in ein solches Mobiltelefon einfließen - zum Beispiel eine Integration von Solarzellen in das Gehäuse des Gerätes.
Wissenschaftler bleiben vorerst skeptisch
Andere Forscher hingegen stehen den Nokia-Versuchen eher skeptisch gegenüber. Joshua Smith beispielsweise, Wissenschaftler bei Intel und an der "University of Washington" in Seattle, hat selbst einen Sensor zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit entwickelt, der seine Energie durch die Umwandlung der Strahlung einer nahen Ein-Megawatt-Fernsehantenne erhält. Seiner Meinung nach ist das Projekt äußerst ambitioniert. "Damit fünfzig Milliwatt erreicht werden, wären rund 1.000 starke Signalquellen nötig. Zudem würde ein Empfänger, der mehrere Frequenzbereiche abdeckt, erhebliche Effizienzverluste bewirken", so Smith gegenüber "Technology Review".
Die Haltung des
Intel-Forschers ist dabei kein Einzelfall. "Eine Ausbeute von fünfzig Milliwatt erscheint mir sehr hoch", meint etwa auch Harry Ostaffe, dessen Unternehmen ein ähnliches Strahlungs-Aufladesystem für Sensoren vertreibt.
Erhebliches Marktpotential
Steve Beeby, Ingenieur und Physiker an der britischen "University of Southampton" hingegen verweist primär auf das Marktpotential einer solchen Technologie - beispielsweise bei
MP3-Playern. So benötigen die handlichen Musikabspieler im Durchschnitt rund 100 Milliwatt an Energie - die meiste Zeit verbringen sie jedoch im Niedrigenergie-Modus.
Beeby, der selbst an der Gewinnung von Schwingungsenergie arbeitet, sieht den Wert seiner eigenen Forschungen zu alternativer Energieerzeugung daher gefährdet, sollte Nokia Erfolg haben. "Wenn sie wirklich fünfzig Milliwatt allein aus elektromagnetischer Strahlung der Umwelt gewinnen können, wäre ich raus aus dem Geschäft", so der Wissenschaftler.