Donnerstag, 11.06.2009 18:00

Verlage planen "Inkassobüro" für Urheberrechte

aus dem Bereich Sonstiges
Die deutschen Verlagshäuser wandeln auf den Spuren von Fotoagenturen oder Plattenfirmen. Wie in deren Branchen seit langem üblich, sollen auch im Verlagsbereich Urheberrechtsverstöße im Internet zukünftig stärker verfolgt werden können, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer Onlineausgabe.

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Plan: Zentrale Rechteverwertung

Neben einer befürchteten "Erosion des Urheberrechts" gibt es dafür vor allem einen Grund: Obwohl viele Verlage auch im Internet mit eigenen Angeboten präsent sind, bleiben die Erlöse aus diesem Sektor bisher eher zweitrangig. Hinzu kommt der massive Einbruch der Werbeeinnahmen in der derzeitigen Wirtschaftskrise. Die zentrale Bekämpfung der unerlaubten Verwendung eigener Inhalte ist für die Verlagshäuser daher auch ein Mittel zur Stabilisierung ihrer Umsätze. Die wirklichen Ausmaße des Problems sind allerdings eher umstritten. "Die illegale Nutzung von Onlinebeiträgen ist sicher nicht so wesentlich, dass eine konsequente Verfolgung alles ändert", meint etwa der Medienwissenschaftler Horst Röper in der "FTD".

Diskutiert wird dennoch - konkret über die Gründung einer Verwertungsgesellschaft zur Rechteüberwachung im Verlagswesen, ähnlich der "GEMA" im Musikbereich. Eine solche Zentralstelle wäre etwa für die Rechteverwaltung, Rechtesicherung und auch Rechteverfolgung verlagseigener Inhalte zuständig. Zur Umsetzung des Vorhabens ist allerdings im Vorfeld eine Gesetzesänderung notwendig. Diese wird daher durch sechs große deutsche Verlage bereits eingefordert.

Eine Verfolgung ist bisher schwierig

Bisher gestaltet sich die Verfolgung von Urheberrechtsverstößen im Internet eher schwierig, denn - anders als etwa in der Musikbranche - liegen die Rechte einzelner Artikel und Beiträge bei den jeweiligen Autoren. Die Vertretung der Interessen tausender einzelner Journalisten ist aufgrund der Anzahl an möglichen Fällen folglich faktisch unmöglich.

Abhilfe schaffen soll daher ein modernes Leistungsschutzrecht, bei dem Verlage das Recht an dem Gesamtwerk - etwa einer Zeitung - erhalten. In der Konsequenz könnten sie ihre Interessen bündeln und gezielter verfolgen. Die Politik signalisiert dazu bereits erste Zustimmung. "Ein Leistungsschutzrecht für Verlage sollte gesetzlich verankert werden", so Kulturstaatsminister Bernd Neumann in der Sache gegenüber dem "Spiegel".

Mahnungen von der Verlagsinkasso

Sowohl Branchenvertreter als auch Branchenbeobachter begrüßen den Vorstoß der sechs Verlagshäuser. Einige Analysten warnen jedoch auch vor einer möglichen Abmahnwelle. "Dass die Verlage die Rechte, die sie haben, in einer zentralen Stelle bündeln, die die Recherche für sie erledigt, ist sicher sinnvoll", äußert Journalistikprofessor Udo Branahl von der TU Dortmund gegenüber der "FTD". Eine solche Verwertungsgesellschaft wäre für die gesamte Branche mit Sicherheit billiger als die Einzelrecherche jedes Verlages. Aber: Branahl sieht eine solche Institution vorwiegend auch als "Inkassobüro".

Einige Verlage signalisieren zudem noch weiteren Gesprächsbedarf, so etwa die Bauer Media Group. "Das ist sicher ein Weg, den man gehen kann", so eine erste Einschätzung. Es komme aber darauf an, wie viele Verlage mitmachten. "Die Diskussion steht erst am Anfang", so ein Sprecher des Hauses in der "FTD". Offen ist beispielsweise der Aufbau einer solchen Institution. Mögliche Modelle wären eine Neugründung oder die Kooperation mit bestehenden Verwertern wie "GEMA" oder "VG Wort". Bereits wenige Monate nach der Bundestagswahl könnte es so weit sein. Dann rollt sie womöglich bereits: Die neue Abmahnwelle im deutschsprachigen Internet.
Christian Wolf
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