Der neue Bahnchef Rüdiger Grube hat sich von den am Donnerstag öffentlich gewordenen PR-Aktivitäten zur Zeit seines Vorgängers Hartmut Mehdorn klar distanziert und nach einer internen Prüfung der Vorwürfe Konsequenzen angekündigt. Der Berliner Verein LobbyControl e.V. hatte am 19. Mai durch Nachforschungen eine entsprechende Untersuchung im Unternehmen ausgelöst, die zur Aufdeckung des neuen Skandals führte.
Lobbyismus zur Imagepflege
Hintergrund der neuen Affäre sind verdeckte Lobby-Maßnahmen der Deutschen Bahn AG aus dem Jahr 2007, die darauf abzielten, die öffentliche Meinung im Sinne des Unternehmens positiv zu beeinflussen. Dabei beauftragte die Deutsche Bahn für rund 1,3 Millionen Euro eine Lobby-Agentur mit der Durchführung von entsprechenden PR-Aktionen, die ihrerseits eine weitere Agentur einbezog. Beide Lobby-Firmen griffen anschließend unter mehreren Identitäten massiv in die öffentliche Debatte um verschiedene Bahn-affine Themen ein, ohne sich als Vertreter des Konzerns erkennen zu geben.
PR bei der Bahn 2007: Manipulation, Täuschung und Eigenlob
Im Rahmen des PR-Auftrages wurden etwa Meinungsumfragen zur Bahnprivatisierung und zum GDL-Streik generiert, die zu einer bahnfreundlichen Medienresonanz führen sollten. Darüber hinaus standen weitere sogenannte "no badge"-Aktivitäten im Vordergrund - etwa manipulierte
Blog-Beiträge, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren oder vorproduzierte Medienbeiträge, bei denen die Bahn als Auftraggeber nicht erkennbar war. Hauptziel der Manipulations-Kampagne zur Imagepflege: Nach außen sollte der Eindruck vermittelt werden, unabhängige Dritte würden sich für die Interessen der Bahn einsetzen.
Mehdorn-Nachfolger Rüdiger Grube hat kein Verständnis für solche Praktiken und wirbt für neues Vertrauen. "Diese Form der PR-Maßnahmen lehne ich entschieden ab. Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar. Ich werde umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen, um auch hier den zugesagten Neubeginn in der Unternehmenskultur zu dokumentieren", so Grube. Erste sichtbare Folge: Der verantwortliche Marketingchef Ralf Klein-Bölting muss den Konzern verlassen.
Christian Wolf