Die drei Buchstaben AOL waren für Online-Anwender in den USA und in anderen Ländern viele Jahre lang ein Synonym für das
Internet. "America Online" stellte in seinen besten Zeiten für 30 Millionen Kunden weltweit nicht nur den Zugang zum Internet her. Die meisten AOL-User bewegten sich damals online vor allem auf dem geschützten und übersichtlichen Territorium des Onlinedienstes. Auf dem Höhepunkt der New-Economy-Welle
übernahm AOL dann im Januar 2000 den Medienkonzern Time-Warner.
DSL-Boom verpasst
Mit dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2001 wurde nicht nur das Fundament für die Mega-Fusion zwischen AOL und Time-Warner brüchig. AOL verpasste damals den Trend zu breitbandigen
Internetanschlüssen und verlor in den Folgejahren massenhaft Kunden an andere
Internet-Provider oder Kabelfirmen. In Deutschland
verkaufte AOL seine Zugangskunden an Hansenet (
Alice) bzw. die Konzernmutter Telecom Italia und konzentrierte sich auf das Portalgeschäft.
Mit den neuen Zugangswegen ins Internet entdeckten viele AOL- Mitglieder Inhalte außerhalb des geschützten AOL-Gartens im World Wide Web für sich. Als Konsequenz aus dieser Entwicklung verlagerte das Unternehmen viele Inhalte und Dienstleistungen aus dem geschlossenen AOL-Bereich ins offene Web.
Heute betreibt AOL nicht nur das Portal aol.com, sondern eine Reihe von erfolgreichen Spezialangeboten im Web wie das Blog engadet.com oder verschiedene Sport-Websites. Das wertvollste Eigentum von AOL dürfte aber der Messengerdienst
AIM sein, der noch immer von mehreren Millionen Anwendern regelmäßig genutzt wird.
Geld verdient wird auch woanders
Zu AOL gehört auch der populäre Chat-Dienst
ICQ und der größte Online-Kartendienst in den USA, MapQuest. Eine große wirtschaftliche Bedeutung für AOL hat inzwischen der Online-Werbeservice Platform A, der Werbeeinblendungen auf Websites vermarktet. Im vergangenen April lag die Platform A in den USA noch vor den Werbenetzwerken von Yahoo! und Google mit einer Reichweite von knapp 193 Millionen Besuchern (Unique Visitors) auf Platz eins.