Die internationale Agentur Agence France Presse (AFP) liefert aus ihren 165 Büros weltweit Nachrichten an ihre Kunden, die dafür entsprechend zahlen. Jetzt geht der deutsche Ableger erstmals gegen diejenigen vor, die AFP-Texte ohne Lizenz einfach kopieren und veröffentlichen.
Kommerzielle Seiten im Blick
Allein in Deutschland werden rund die Hälfte der Zeitungen von der AFP mit Meldungen beliefert und viele Kunden stellen die Texte den Lizenzbedingungen entsprechend auch online. Dort werden sie dann allerdings fleißig kopiert und auf anderen Seiten im
Internet wieder eingestellt, mitunter sogar deklariert als eigener Text. Laut einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" (FR) will die AFP insbesondere der kommerziellen Nutzung gestohlener Inhalte jetzt einen Riegel vorschieben.
Dabei arbeite die Agentur mit der Hamburger Firma Textguard zusammen, die das Web nach eindeutigen Kopien von Texten aus dem Bestand der AFP durchforstet. Die Trefferzahl bei Meldungen, die über das Zitatrecht hinaus gingen, liege dabei im niedrigen fünfstelligen Bereich, wie der Vertriebschef von AFP-Deutschland, Timo Peters, der FR sagte. In besonders harten Fällen seien über Jahre hinweg Hunderte von Texten kopiert worden, beispielsweise von Serviceportalen, die mit Werbung Geld verdienen würden.
Unterlassungserklärung und Rechnung
Laut AFP-Vertriebschef Peters erhalten dieser Tage "Tausende" Betreiber solcher Websites Briefe einer beauftragten Kanzlei. Per Unterlassungserklärung sollen sie bestätigen, kein AFP-Material mehr ohne Erlaubnis zu veröffentlichen. Dies könne dann auch diejenigen treffen, die bei einem Nachrichtenportal und damit unbewusst von der AFP abgeschrieben haben. Bei schwerwiegenden Fällen läge zudem eine Rechnung bei, die durchaus über mehrere Zehntausend Euro ausfallen könne.
"Wir haben es nicht auf Blogger, Lehrer und Professoren abgesehen", zitiert die FR Peters. Jeder bekäme aber zumindest ein Schreiben, in dem die AFP die Rechtslage erkläre und auffordere, den Diebstahl zu stoppen. Ähnlich gingen mehrere Verlage und Agenturen wie die Deutsche Presse Agentur, die auch onlinekosten.de mit Meldungen versorgt, gegen sogenannte Textdiebe vor. Massenhafte Anschreiben wie jetzt von der AFP gäbe es aber bislang noch nicht.