Die Vorwürfe gegen die
Deutsche Telekom im Zuge der Spitzelaffäre nehmen neue Ausmaße an. Die Konzernsicherheit soll über mehrere Jahre eine Detektei beauftragt haben, Bankkunden von Mitarbeitern auszuspionieren.
Interne Unterlagen
Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen den früheren
Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und dessen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel wegen des Verdachts, gegen das Fernmeldegeheimnis sowie den Datenschutz verstoßen zu haben. Wie das "Handelsblatt" berichtet, gehe aus internen Telekom-Unterlagen und Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft hervor, dass nicht nur Telefonverbindungen ausgewertet, sondern auch Bankkonten von Mitarbeitern, deren Angehörigen und Dritten durchleuchtet wurden.
Die Unterlagen legten nahe, dass die Telekom seit 2001 über mehrere Jahre auch Kontobewegungen unter anderem bei der Deutschen Bank, der Postbank und der Hypo-Vereinsbank sowie ausländischen Instituten ausspionieren ließ. Mit den Bespitzelungen sei mit der Argen GmbH aus Köln die selbe Detektei beauftragt gewesen, die auch für die Deutsche Bahn Konten ausforschte. Die Telekom habe laut "Handelsblatt" mitgeteilt, sie habe bei internen Recherchen bislang keine Hinweise auf einen solchen Vorgang gefunden, könne aber auch nicht ausschließen, dass es ihn gegeben hat.
Vertrauliche Kundendaten
Die bei einer
Razzia bei Argen sichergestellten Unterlagen zeigten, dass die Detektei in großem Umfang vertrauliche Kundendaten an die Telekom lieferte. Darunter befänden sich Informationen wie Ein- und Ausgänge auf dem Konto eines Managers der Sparte T-Systems, der Name seines Steuerberaters, umfangreiche Informationen aus seiner Steuerakte oder auch der Zinssatz seines Sparbuchs. Zwischen 2000 und 2008 habe Argen insgesamt 1,2 Millionen Euro von der Telekom erhalten, so das "Handelsblatt". Die Unterlagen hätten nach Erledigung der Aufträge in Absprache mit dem Auftraggeber vernichtet werden sollen.
Bereits am Wochenende hatten "Spiegel" und "Handelsblatt" berichtet, dass Zumwinkel und Ricke schon früher als bisher bekannt über die
Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsräten informiert waren. Die Telekom hat inzwischen von beiden Ex-Managern jeweils knapp
eine Million Euro Schadensersatz gefordert.