Die Suche kann etwa berechnen, wie das Wetter in Düsseldorf oder Dallas war, als John F. Kennedy starb oder das Verhältnis von Ein- und Ausfuhren der Bundesrepublik. Bei Molekülen wird ein Diagramm der Struktur angezeigt. Und gibt man zum Beispiel die Namen zweier Firmen ein, spuckt die Maschine ein Kurvendiagramm mit der Entwicklung der Aktienkurse aus, garniert mit wichtigen Finanzdaten. Google verweist dagegen auf Artikel, die beide Unternehmen erwähnen.
Datenbasis mit Lücken
Doch die Datenbasis weist einige Lücken auf. Bei politischen Themen muss Wolfram Alpha oft ebenso passen wie bei Klatsch und Tratsch aus der Promiwelt. Klassische Suchmaschinen zeigen hier Tausende von Treffern. Bei vielen Resultaten verschweige Wolfram Alpha zudem die Quelle, kritisiert Marcus Schwarze, Internetexperte bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Da ist großes Vertrauen in die Betreiber nötig. "Immerhin nutzen sie nur Daten, die sie selbst für seriös halten", sagt Schwarze. Google liefere keine qualitative Einschätzung seiner Quellen.
Die hohen Erwartungen der Experten erfüllt die Antwortmaschine bisher nicht - enttäuscht sie aber auch nicht komplett. "Wolfram Alpha ist kein Google-Killer, wird aber seinen Platz finden", urteilt Schwarze. Die Betreiber selbst sehen sich auch nicht als Rivale des Marktführers: "Wir sind eine Ergänzung zu Suchmaschinen", sagt Conrad Wolfram. Trotz dieser Nischenposition hofft der Manager darauf, dass sich das Investment bald auszahlt. Man rede über Partnerschaften etwa mit den Betreibern von Suchmaschinen und Medienunternehmen. Sponsoring sei ein Thema, eine kostenpflichtige Profiversion irgendwann auch.
Konkurrenz ist aufmerksam
Die Konkurrenz schaut sich Wolfram Alpha genau an. Kurz nach der Vorstellung kündigte Google einen Dienst an, der ebenfalls öffentlich verfügbare Daten auswertet und grafisch aufbereitet etwa Arbeitslosenzahlen. Nutzer könnten vom Wettbewerb profitieren: Vielleicht gibt es bald nicht nur auf der "Enterprise", sondern auch auf der Erde eine schlagfertige Antwortmaschine.
Michael Posdziech
/ dpa