Wann schlägt der Asteroid auf dem Planeten ein? Wie schnell fliegt das Raumschiff der Romulaner? Und wo ist Mr. Data? Wenn die Crew vom "Raumschiff Enterprise" derlei wissen will, konsultiert sie den Bordcomputer. Doch dass eine Maschine dem Menschen wie in der TV-Serie "Star Trek" - mit sanfter Stimme präzise Antworten gibt, ist bislang nur ein Traum der IT-Industrie. Ein Forscher will ihn nun in Form einer Internet-Suchmaschine Wirklichkeit werden lassen. Am 15. Mai geht die "Antwortmaschine"
Wolfram Alpha online zumindest in der englischen Version. Sie soll Antworten aus den im
Internet verfügbaren Informationen berechnen, statt nur auf die Quellen zu verweisen wie andere Suchmaschinen. Die Branche lauert gespannt.
Der Überflieger Stephan Wolfram
Die Zeiten, in denen neue Suchmaschinen Surfer, Blogger und Kapitalgeber elektrisierten, sind längst vorbei. Das enorme Interesse an Wolfram Alpha aber hat zwei Gründe: das neue Konzept und den Kopf dahinter, dem die Branche zutraut, es umzusetzen.
Stephan Wolfram, 59 Jahre alt, ist ein Überflieger. Er promovierte mit 20 Jahren in theoretischer Physik und machte danach mit spektakulären Veröffentlichungen auf sich aufmerksam. In den 1980er Jahren entwickelte der Brite das Software-Paket Mathematica, mit dem immer noch Forscher Gleichungen lösen oder Banker Kursprognosen erstellen. Seine Firma Wolfram Research aus Champaign im US- Bundesstaat Illinois verdient damit heute eine Menge Dollar.
Antworten werden berechnet
Das Unternehmen ist die Keimzelle der neuartigen Suchmethode. In vier Jahren entwickelten Wolfram und ein Team aus bis zu 100 Mitarbeitern das neue Produkt. Auf den ersten Blick sieht es aus wie Google und Co., doch auf den zweiten ist es ganz anders. Denn die klassischen Suchmaschinen beantworten keine Fragen, sondern nennen nur Websites, auf denen die Suchbegriffe vorkommen. Google sei wie ein "Bibliothekar" fürs Web, schreibt der amerikanische IT-Experte Nova Spivack. "Wolfram Alpha dagegen ist mehr wie ein gigantischer Taschenrechner, um Antworten auf alle möglichen Dinge zu berechnen, bei denen Zahlen eine Rolle spielen."
Unscheinbares Ausssehen: Die Startseite von Wolfram Alpha. Screenshot: onlinekosten.de
Zwei Innovationen machen Wolfram Alpha besonders: Die Maschine interpretiert die Anfrage des Nutzers und sucht die passende Formel, um eine Antwort zu berechnen. Grundlage ist die Software Mathematica daher ist die Suche zahlenlastig. "Wir versuchen, sachbezogene Informationen abzudecken, nicht Meinungen", sagt Conrad Wolfram, Bruder des Firmengründers und Chef des Europageschäfts. Die Ergebnisse bereitet das Portal grafisch auf. "Es geht nicht nur um Daten, sondern auch darum, wie man mit ihnen umgeht."